DIE ARABISCHE KALLIGRAFIE

KURZE GESCHICHTE DER ARABISCHEN KALLIGRAFIE
Die arabische Schrift ist höchstwahrscheinlich nabatäischen Ursprungs, einer Variante des Aramäischen, das selbst vom Phönizischen abstammt, aus dem alle Alphabete des Mittelmeerraums hervorgegangen sind, wie das Hebräische, das Griechische, das Syrische, das Römische usw.
Die arabische Schrift entstand mit dem Aufkommen des Islam, denn die nomadische Kultur der Arabischen Halbinsel begünstigte eine im Wesentlichen mündliche Kultur. Der Koran spielte bei dieser Entstehung eine zentrale Rolle. Es trifft sich, dass die erste koranische Offenbarung die Schrift erwähnt, die Gott den Menschen lehrte: « Er lehrte durch das Schreibrohr und lehrte den Menschen, was er nicht wusste. » Koran XCVI, 4-5.
Da das Heilige Buch der Schrift einen so wichtigen Platz einräumt, konnten die Muslime deren Typografie nicht vernachlässigen. Die Notwendigkeit, das Wort Gottes zu verherrlichen, ergab sich so ganz natürlich, und die Kalligrafie wurde sehr rasch zu einem wesentlichen Bestandteil der arabisch-muslimischen Kunst.
Überdies machte das im Islam geltende Verbot, menschliche Gestalten darzustellen, diese Kunstform zu einem unverzichtbaren Mittel der Verzierung von Bauwerken.
Einer der begründenden Meister der Kunst des Schreibrohrs ist unter dem Namen Ibn Muqla Shirâzî (gestorben 940) bekannt.
Auf ihn geht ein grundlegendes Prinzip zurück: das der Proportion. Er führte überdies einen Kanon ein und definierte sechs klassische Stile, wodurch er die Kalligrafie zu einer strengen Disziplin machte, die seine Schüler anschließend weiterentwickelten.
Von der umayyadischen Verwaltung bereits gegen Ende des 7. Jahrhunderts verbindlich gemacht, erfuhr die arabische Schrift dank der Ausdehnung des muslimischen Reiches eine außergewöhnliche Verbreitung im Nahen Osten und im Maghreb. Die ersten Abschriften des Korans wurden im Hijâzî-Stil geschrieben.
Weitere Stile traten rasch in Erscheinung, wie das Naskh und das Kufi.
Jede Region der muslimischen Welt prägte allmählich eine Typografie nach dem Vorbild ihrer kulturellen Traditionen aus, wodurch die Schrift zu einem identitätsstiftenden Faktor wurde. Man findet beispielsweise den andalusischen, den persischen, den osmanischen oder den maghrebinischen Stil. Das Kufi: Die kufische Schrift entstand in Kufa (Irak), im zweiten Jahrzehnt der islamischen Zeitrechnung; sie ist der erste Stil, der nach dem Hijâzî für die Niederschrift des Korans verwendet wurde. Es folgen sodann von der jeweiligen Kultur beeinflusste Stile wie das Naskhî, das Thuluth, das Riqâ, das Diwani, das Jali Diwani, das Maghrebi, das Farsi oder Tâliq, das Shekesti.
Heutzutage entwickeln zeitgenössische Kalligrafen diese Kunst weiter.
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