GESCHICHTE DER ARABISCHEN GRAMMATIK

Einleitung
Das Arabische im weiteren Sinne gliedert sich in zwei Hauptregister: das klassische (oder literarische) Arabisch und das dialektale Arabisch. Ersteres bezeichnet die Schriftsprache, die aus der gesprochenen Sprache der Arabischen Halbinsel zur Zeit des Aufkommens des Islam hervorgegangen ist. Das dialektale Arabisch hingegen bezeichnet in Wirklichkeit nicht eine einzige Sprache, sondern so viele Sprachen, wie es mündliche Ableitungen der arabischen Sprache gibt.
Das Arabische ist, wie jeder weiß, eine semitische Sprache. Seine Morphologie ist um Wurzeln herum aufgebaut, die in der Regel aus drei Konsonanten bestehen. Man spricht von dreiradikaligen Wurzeln. Durch das Hinzufügen von Vokalen, Präfixen, Suffixen oder durch die Verdoppelung der Konsonanten selbst werden Wörter gebildet. Die spezifischen Wortformen, die durch das Hinzufügen der genannten Elemente entstehen, bilden das, was man „Schemata“ nennt. Ein Schema ist beispielsweise den Berufsbezeichnungen eigen, ein anderes den Ortsnamen, ein weiteres den aktiven Partizipien usw.
Diese Fähigkeit zur Modulation der Sprache erleichtert die Bildung von Neologismen erheblich. So ist beispielsweise das Wort für Computer, hâsûb, von der Wurzel H S B abgeleitet, die das Rechnen bezeichnet.
Eine weitere praktische Folge dieser Besonderheit der arabischen Sprache besteht darin, dass Wörterbücher die Wörter traditionell nach ihrer Wurzel anordnen. In diesen Einträgen muss man daher nach den von der Wurzel abgeleiteten Wörtern suchen.
Die arabische Grammatik unterscheidet zwei Arten von Sätzen: Nominalsätze (Sätze ohne Verb) und Verbalsätze (Sätze mit Verb). Um beispielsweise zu sagen „das Kind ist groß“, sagt man im Arabischen „Al-walad kabîr“, also „das Kind groß“.
Fortsetzung folgt …
Die Ursprünge der arabischen grammatikalischen Theoriebildung
Wenngleich die ersten Überlegungen zur arabischen Grammatik bereits unmittelbar nach den arabischen Eroberungen stattfanden, also zu Beginn des 8. Jahrhunderts, durch Koranrezitatoren, denen daran gelegen war, die Lesung des Heiligen Textes zu normieren, so wurde die erste arabische Grammatik doch erst gegen Ende ebendieses Jahrhunderts verfasst. Wir verdanken sie Khalîl (gestorben 786) und seinem berühmten Schüler Sibawayh (gestorben 791). Letzterer verfasste eine Abhandlung von bereits sehr ausgereiftem theoretischem Niveau, von der sich die arabische Grammatiktradition nie ganz lösen sollte. Dieses Werk hat wahrscheinlich gewisse Elemente aus dem griechischen Erbe übernommen, ist aber nicht weniger eigenständig und in einem streng arabischen Rahmen gedacht.
Die arabische Grammatik entwickelte sich bis zum Ende des 9. Jahrhunderts im Kontext einer Kontroverse zwischen den Gelehrten von Basra und den Gelehrten von Kufa, unter bemerkenswerter Beteiligung von Mazini (gestorben 828) und Mubarrid (gestorben 898) im ersten Lager und von Kisâ’i im zweiten Lager.
Fortsetzung folgt …
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