Sufische Terminologie — kleines Lexikon des Sufismus
Einige im Sufismus gebräuchliche Begriffe.
Ihsân (إحسان)
„Ihsân“ bedeutet „Vollkommenheit“ oder „Vortrefflichkeit“ im Verhalten. Die Sufis beziehen sich auf diesen Begriff, um ein vorbildliches ethisches Verhalten und eine vollkommene Hingabe an Gott zu fördern, indem sie Gott anbeten, „als ob sie Ihn sähen, denn auch wenn sie Ihn nicht sehen, so sieht Er doch sie“, gemäß einem berühmten Hadith-Text.
Taqwâ (تقوى)
„Taqwâ“ bedeutet die Achtsamkeit, die Wachsamkeit gegenüber Gott und, in einem weiteren Sinne, das wache Bewusstsein. Die Sufis betonen die Bedeutung der Taqwâ im täglichen Leben und ermutigen zu beständiger Wachsamkeit und zu einem Bewusstsein der Gegenwart Gottes, mit dem Ziel, sich vor Verfehlungen zu schützen und die Beziehung zum Göttlichen zu vertiefen.
Haqîqa (حقيقة)
„Haqîqa“ bedeutet „Wahrheit“ oder „letztgültige Wirklichkeit“. Im Sufismus verweist dieser Begriff auf die Erkenntnis der göttlichen Wirklichkeit, jenseits der oberflächlichen Erscheinungen.
Tawhîd (توحيد)
„Tawhîd“ bedeutet „Einheit“ oder „Monotheismus“ und stellt den zentralen Begriff des Islam dar: die Einzigkeit Gottes. Die Sufis legen besonderen Nachdruck auf den Tawhîd, nicht nur als theologische Glaubensüberzeugung, sondern als mystische Erfahrung der Einheit mit dem Göttlichen, indem sie alles im Universum als eine Erscheinungsform der einen göttlichen Wirklichkeit sehen. Der Tawhîd hat auch eine innere Dimension, denn Gott sagt im Koran: „Hast du den gesehen, der sich seine Leidenschaft zum Gott nimmt?“ (25,43). Über die bloße Ablehnung der Götzen hinaus geht es also darum, vom eigenen Selbst abzusehen, durchsichtig zu werden, um das göttliche Licht in Erscheinung treten zu lassen.
Maʿrifa (معرفة)
„Maʿrifa“ bedeutet „Erkenntnis“ oder „Gnosis“. Im Sufismus bezieht sich Maʿrifa auf die intuitive und unmittelbare Erkenntnis Gottes. Im Gegensatz zum verstandesmäßigen Wissen (ʿilm) wird die Maʿrifa als eine persönliche und mystische Erfahrung des Göttlichen verstanden, die häufig durch spirituelle Praktiken und innere Läuterung erlangt wird.
Sabr (صبر)
„Sabr“ bedeutet „Geduld“ oder „Ausdauer“. Die Sufis betonen die Notwendigkeit der Beständigkeit auf dem spirituellen Weg. Die Geduld ist unerlässlich, um die Prüfungen und Schwierigkeiten auf dem Weg der Gotteserkenntnis zu überwinden, und ermöglicht es, in der spirituellen Praxis beständig zu bleiben.
Fanâ‘ (فناء)
„Fanâ’“ bedeutet „Auslöschung“. Im Sufismus bezieht es sich auf die Auslöschung des Ego oder des individuellen Ich in der göttlichen Wirklichkeit. Die Sufis streben danach, den Zustand des Fanâ‘ durch Meditation, Dhikr und andere spirituelle Praktiken zu erreichen, um sich von der Illusion der Trennung vom Göttlichen zu befreien.
Baqâ‘ (بقاء)
„Baqâ’“ bedeutet „Fortbestand“ oder „Beständigkeit“. Nachdem sie den Zustand des Fanâ‘ erreicht haben, streben die Sufis den Zustand des Baqâ‘ an, in dem der Einzelne, obwohl ausgelöscht und von seiner Individualität abgesehen habend, in der Wirklichkeit Gottes fortbesteht und in vollkommenem Einklang mit dem göttlichen Willen handelt.
Sirr (سر)
„Sirr“ bedeutet „Geheimnis“. Im Sufismus bezieht sich dieser Begriff auf das innere Geheimnis der Seele, den innigsten Ort der Beziehung zwischen dem Gläubigen und Gott. Das Sirr wird von den Sufis häufig in ihren Meditationen und introspektiven Praktiken erkundet, um die verborgenen Wahrheiten ihres Wesens und ihrer göttlichen Verbindung zu entdecken.
ʿIschq (عشق)
„ʿIschq“ bedeutet „leidenschaftliche Liebe“. Für die Sufis steht der ʿIschq für die innige und glühende Liebe zu Gott. Diese Liebe übersteigt die gewöhnliche Liebe und wird zu einer treibenden Kraft, um die mystische Vereinigung mit dem Göttlichen zu erreichen. Die sufischen Dichter, wie etwa Rûmî, verwenden diesen Begriff häufig, um ihre Hingabe und ihr tiefes Verlangen nach Gemeinschaft mit Gott auszudrücken.
Nûr (نور)
„Nûr“ bedeutet „Licht“. Die Sufis sehen das Licht als eine Metapher für die göttliche Gegenwart und die spirituelle Führung. Der Begriff „Nûr“ wird häufig verwendet, um die spirituellen Erleuchtungen und inneren Offenbarungen zu beschreiben, die die Sufis auf ihrer Suche nach Gott erfahren.
Qalb (قلب)
„Qalb“ bedeutet „Herz“. Im Sufismus gilt das Qalb als das Zentrum des menschlichen Wesens und als der Ort, an dem die göttliche Gegenwart wohnt. Die spirituellen Praktiken der Sufis zielen darauf ab, das Herz zu läutern, damit es empfänglich für die göttlichen Einflüsse wird und fähig, die Liebe und das Licht Gottes widerzuspiegeln.
Rûh (روح)
„Rûh“ bedeutet „Geist“ oder [göttlicher] „Hauch“. Der spirituelle Weg der Sufis zielt darauf ab, diese göttliche Essenz zu erwecken und zu befreien, sodass der Einzelne sich entfalten und seiner Wesensnatur annähern kann, die ihn mit Gott verbindet.
Safar (سفر)
„Safar“ bedeutet „Reise“. Die Sufis verwenden diesen Begriff, um die spirituelle Reise der Seele zu Gott zu beschreiben. Diese Reise ist zugleich innerlich und äußerlich und symbolisiert das Streben nach Läuterung, Erkenntnis und Vereinigung mit dem Göttlichen.
Walî (ولي)
„Walî“ bedeutet „Naher“ oder „Beschützter“, und im sufischen Kontext bezeichnet er einen Heiligen oder spirituellen Meister, der einen hohen Grad der Nähe zu Gott erreicht hat. Die Sufis verehren die Awliyâ‘ (Plural von Walî) als Vorbilder der Frömmigkeit und als Wegweiser auf dem spirituellen Weg.
Murîd (مريد)
„Murîd“ bedeutet „der, der will“ oder „Schüler“. Im Sufismus ist ein Murîd eine Person, die einem spirituellen Weg unter der Leitung eines sufischen Führers oder Meisters (Murschid) folgt. Der Begriff hebt den Willen und das Verlangen des Schülers hervor, sich Gott anzunähern.
Zuhd (زهد)
„Zuhd“ bedeutet „Askese“. Die Sufis üben den Zuhd, um ihr Herz von den materiellen Genüssen und den weltlichen Zerstreuungen zu lösen, im Bestreben, sich ganz Gott und der Läuterung der Seele zu widmen.
Hâl (حال)
„Hâl“ bedeutet „Zustand“ oder „Verfassung“. Im Sufismus bezieht es sich auf die vorübergehenden spirituellen Zustände, die die Gläubigen im Verlauf ihres spirituellen Fortschritts erfahren. Diese Zustände können Augenblicke tiefer Meditation, der Ekstase oder der „Enstase“ umfassen.
Maqâm (مقام)
„Maqâm“ bedeutet „Station“ oder „Stufe“. Im Gegensatz zum Hâl sind die Maqâmât (Plural von Maqâm) bleibende Etappen auf dem spirituellen Weg, die der Sufi durch beständige Anstrengung und strenge spirituelle Disziplin erreicht.
Sulûk (سلوك)
„Sulûk“ bedeutet „Verhalten“ oder „Weg“. Es bezieht sich auf den spirituellen Weg, dem der Sufi folgt, um die Nähe zu Gott zu erreichen, was disziplinierte Praktiken, Gebete und ein vorbildliches ethisches Verhalten einschließt.
Muschâhada (مشاهدة)
„Muschâhada“ bedeutet „Schau“ oder „Kontemplation“. Für die Sufis ist es der Akt, die Gegenwart Gottes in allen Dingen zu sehen oder zu betrachten. Es ist ein fortgeschrittener Zustand spirituellen Bewusstseins, in dem der Sufi die göttliche Wirklichkeit jenseits der materiellen Erscheinungen wahrnimmt.
Ischrâq (إشراق)
„Ischrâq“ bedeutet „Erleuchtung“ oder „Aufstrahlen“. Im Sufismus bezieht es sich auf die spirituelle Erleuchtung und das Erwachen des göttlichen Bewusstseins. Es ist eine mystische Erfahrung, in der der Sufi das Licht der göttlichen Erkenntnis empfängt.
Kaschf (كشف)
„Kaschf“ bedeutet „Enthüllung“. Die Sufis verwenden diesen Begriff, um die Offenbarung der spirituellen Wahrheiten und der verborgenen göttlichen Wirklichkeiten zu beschreiben. Das Kaschf ist eine Form intuitiver Wahrnehmung, die es dem Sufi ermöglicht, hinter die Schleier der Illusion zu blicken.
Tadschallî (تجلي)
„Tadschallî“ bedeutet „Manifestation“ oder „Epiphanie“. Es ist ein zentraler Begriff im Sufismus und bezieht sich auf die Manifestation des göttlichen Lichts im Herzen des Gläubigen, die die Gegenwart Gottes und die göttliche Wahrheit offenbart.
Bâtin (باطن)
„Bâtin“ bedeutet „inwendig“ oder „verborgen“. Die Sufis unterscheiden zwischen dem Zâhir (dem Äußeren) und dem Bâtin (dem Inneren) und betonen die innere und verborgene Dimension der göttlichen Wirklichkeit und der spirituellen Erkenntnis.
Dhikr (ذكر)
„Dhikr“ bedeutet „Gedenken“. Es betont die Bedeutung des beständigen Gedenkens Gottes durch das Wiederholen Seiner Namen und das Meditieren über Seine Eigenschaften. Im Koran wird es auch der „Ghafla“ (Achtlosigkeit oder Unbewusstheit) gegenübergestellt, was ihm zugleich die Bedeutung von „Bewusstsein“ verleiht. Denn das Gedenken Gottes bedeutet auch, sich der Tatsache bewusst zu bleiben, dass Er gegenwärtig ist.
ʿIbâda (عبادة)
„ʿIbâda“ bedeutet „Anbetung“ oder „Dienst“. Die Sufis betrachten alle Formen der Anbetung, ob es sich um rituelle Gebete, Dhikr oder Akte der Wohltätigkeit handelt, als Mittel, sich Gott anzunähern und ihre Hingabe auszudrücken.
Ridâ (رضا)
„Ridâ“ bedeutet „Zufriedenheit“ oder „Genügsamkeit“. Die Sufis streben danach, einen Zustand des Ridâ zu erreichen, in dem sie alle göttlichen Fügungen mit Dankbarkeit und Gelassenheit annehmen, selbst in Augenblicken der Schwierigkeit.
Schukr (شكر)
„Schukr“ bedeutet „Anerkennung“ oder „Dankbarkeit“. Die Sufis betonen die Bedeutung der Dankbarkeit gegenüber Gott für alle Seine Wohltaten und betrachten das Schukr als eine Form der Anbetung.
Istighfâr (استغفار)
„Istighfâr“ bedeutet „Bitte um Vergebung“. Die Sufis üben regelmäßig den Istighfâr, um Gottes Vergebung für ihre Verfehlungen zu erbitten und ihre Seele zu läutern.
Hudûr (حضور)
„Hudûr“ bedeutet „Gegenwart“. Im sufischen Kontext bezieht es sich auf die beständige Gegenwart Gottes im Leben des Gläubigen und auf das Bewusstsein dieser Gegenwart in allen Handlungen und Gedanken.
Sidq (صدق)
„Sidq“ bedeutet „Aufrichtigkeit“. Die Sufis schätzen die Aufrichtigkeit in all ihren Handlungen und Worten und sind bestrebt, ein authentisches und der göttlichen Wahrheit gemäßes Leben zu führen.
ʿIrfân (عرفان)
„ʿIrfân“ bedeutet „Erkenntnis“ oder „Gnosis“. Ähnlich der Maʿrifa bezeichnet dieser Begriff eine intuitive und mystische Erkenntnis Gottes, die durch die spirituelle Erfahrung und die Kontemplation erlangt wird.
Mahabba (محبّة)
„Mahabba“ bedeutet „Liebe“. Die Sufis betrachten die Liebe zu Gott als die wichtigste Triebkraft ihres spirituellen Strebens und sind bestrebt, eine tiefe und uneigennützige Liebe zum Göttlichen zu pflegen.
Nafs (نفس)
„Nafs“ bedeutet „Seele“ oder „Ego“. Im Sufismus stehen die Nafs für die individuellen Begierden und das Ego, die geläutert und verwandelt werden müssen, um eine tiefere Beziehung zu Gott zu erlangen.
Wadschd (وجد)
„Wadschd“ bedeutet wörtlich „das Finden“. Es bezeichnet eine Form der „Ekstase“ oder „Enstase“. Es ist oft ein Zustand der Liebe zu Gott, der bei den Praktiken des Dhikr und der Meditation erfahren wird.
Karâma (كرامة)
„Karâma“ bedeutet „Wunder“ oder „Gnadengabe“. Im Sufismus bezieht es sich auf die spirituellen Gaben oder Wunder, die den Heiligen (Awliyâ‘) als Zeichen der göttlichen Gunst gewährt werden.
Baraka (بركة)
„Baraka“ bedeutet „Segen“. Die Sufis suchen die Baraka durch Akte der Frömmigkeit, der Wohltätigkeit und durch das Befolgen der spirituellen Lehren in ihr Leben zu ziehen und sehen diesen Segen als eine Erscheinungsform der göttlichen Gnade.
ʿAdl (عدل)
„ʿAdl“ bedeutet „Gerechtigkeit“. Die Sufis sind bestrebt, nach den Grundsätzen der göttlichen Gerechtigkeit zu leben, ihr Leben ins Gleichgewicht zu bringen und andere mit Billigkeit und Mitgefühl zu behandeln.
Sulûk (سلوك)
„Sulûk“ bedeutet „Verhalten“ oder „Weg“. Es bezieht sich auf den spirituellen Weg, dem die Sufis folgen, einschließlich disziplinierter Praktiken, Gebete und eines vorbildlichen ethischen Verhaltens.
Tawakkul (توكّل)
„Tawakkul“ bedeutet „Vertrauen“ oder „vertrauensvolle Hingabe“. Die Sufis treten für ein vollkommenes Gottvertrauen ein, indem sie die göttlichen Fügungen annehmen und sich ganz Seiner Weisheit und Seiner Barmherzigkeit überlassen.
Ikhlâs (إخلاص)
„Ikhlâs“ bedeutet „Aufrichtigkeit“ oder „Lauterkeit der Absicht“. Die Sufis sind bestrebt, mit Ikhlâs zu handeln, indem sie in all ihren Handlungen reine und aufrichtige Absichten hegen und allein das Wohlgefallen Gottes suchen.
Dschihâd (جهاد)
„Dschihâd“ bedeutet „Kampf“ oder „Anstrengung“. Gemäß der prophetischen Überlieferung ist der Dschihâd al-akbar (der größere Kampf) der innere Kampf gegen die Begierden des Ego und die weltlichen Versuchungen, um die spirituelle Lauterkeit zu erreichen.
Mîzân (ميزان)
„Mîzân“ bedeutet „Waage“ oder „Gleichgewicht“. Die Sufis treten für das Gleichgewicht in allen Bereichen des Lebens ein und sind bestrebt, eine Harmonie zwischen den spirituellen Verpflichtungen und den weltlichen Verantwortungen zu wahren.
Wird (ورد)
„Wird“ bedeutet „Litanei“ oder „Anrufung“. Ein Wird ist eine Reihe von Gebeten und Dhikr, die die Sufis täglich rezitieren.
Tawba (توبة)
„Tawba“ bedeutet „Reue“. Die Sufis messen der aufrichtigen Reue große Bedeutung bei, um die Seele zu läutern und sich Gott anzunähern.
Tasfiya (تصفية)
„Tasfiya“ bedeutet „Läuterung“. Die Sufis sind bestrebt, ihr Herz und ihre Seele durch Praktiken der Hingabe, der Reue und des Dhikr von den spirituellen Unreinheiten zu läutern.
Faqîr (فقير)
„Faqîr“ bedeutet „Armer“ oder „Bettler“. Von den Sufis zur Selbstbezeichnung verwendet, hebt dieser Begriff den Zustand vollkommener Bedürftigkeit gegenüber Gott und die Loslösung von den materiellen Besitztümern hervor.
Al-Ism al-Aʿzam (الاسم الأعظم)
„Al-Ism al-Aʿzam“ bedeutet „der größte Name“. Es handelt sich um den göttlichen Namen, der, wenn er angerufen wird, der Überlieferung zufolge notwendigerweise erhört wird. Dieser Name bleibt geheimnisvoll, auch wenn einige Hadithe Hinweise geben, um ihn zu finden.
Husn al-zann (حسن الظن)
„Husn al-zann“ bedeutet „eine gute Meinung haben“. Die Sufis ermutigen dazu, eine gute Meinung von Gott zu haben, an Seine Barmherzigkeit und Seine Güte zu glauben sowie positive Gedanken gegenüber anderen zu bewahren.
Tadschrîd (تجريد)
„Tadschrîd“ bedeutet „Loslösung“. Es ist ein Zustand, in dem der Sufi sich von den materiellen Belangen löst und sich ganz der Suche nach der göttlichen Wahrheit widmet.
Waqt (وقت)
„Waqt“ bedeutet „Augenblick“ oder „Zeit“. Die Sufis messen dem gegenwärtigen Augenblick große Bedeutung bei und sind bestrebt, sich Gottes in jedem Augenblick voll bewusst zu sein und in Harmonie mit dem gegenwärtigen Augenblick zu leben.
Sakîna (سكينة)
„Sakîna“ bedeutet „Frieden“ oder „Ruhe“. Die Sufis suchen die Sakîna, einen inneren Frieden und eine Ruhe der Seele, die aus der Nähe zu Gott und aus dem Vertrauen erwachsen, das sie in Ihn setzen.
Hubb (حب)
„Hubb“ bedeutet „Liebe“. Die Liebe zu Gott steht im Herzen der sufischen Spiritualität. Die Sufis streben danach, eine reine und tiefe Liebe zu Gott zu entwickeln, und betrachten diese Liebe als die treibende Kraft ihres spirituellen Strebens.
Istiqâma (استقامة)
„Istiqâma“ bedeutet „Geradheit“ oder „Aufrichtigkeit“, oder genauer „das Streben nach Aufrichtigkeit“, gemeint ist: in den Handlungen und den Glaubensüberzeugungen.
Amâna (أمانة)
„Amâna“ bedeutet „anvertrautes Gut“. Der göttliche Geist, oder das Bewusstsein, ist eine Amâna, die es in sich zu bewahren gilt — „آمن“.
Rabbânî (ربّاني)
„Rabbânî“ bedeutet „herrschaftlich“ oder „mit Gott verbunden“. Die Sufis streben danach, rabbânî zu werden, gemäß der koranischen Aufforderung, die wörtlich lautet: „كُونُوا رَبَّانِيِّينَ“ (seid rabbânî) (3,79), das heißt, göttliche Wesen in beständiger Verbindung mit Gott, die Seine Eigenschaften in ihrem Verhalten widerspiegeln.
Dschalâl (جلال) und Dschamâl (جمال)
„Dschalâl“ und „Dschamâl“ bedeuten „Majestät“ und „Schönheit“. Sie sind die sufischen Entsprechungen der männlichen und weiblichen Prinzipien, oder des Yin und Yang in anderen Traditionen. Die göttlichen Namen können Namen des Dschalâl und des Dschamâl sein oder beide Aspekte in unterschiedlichen Verhältnissen in sich tragen.
Latîf (لطيف)
Der „Latîf“ ist ein göttlicher Name, der „subtil“ oder „gütig“ bedeutet. Die Sufis streben danach, den Latîf darzustellen, die göttliche Güte und Feinheit, indem sie eine tiefe Empfindsamkeit und ein tiefes Mitgefühl für die anderen entwickeln.
Qalb al-Salîm (قلب السليم)
„Qalb al-Salîm“ bedeutet „reines Herz“. Die Sufis sind bestrebt, ein Qalb al-Salîm zu entwickeln, ein reines und von Befleckungen freies Herz, das fähig ist, das göttliche Licht zu empfangen und widerzuspiegeln.
Tafakkur (تفكر)
„Tafakkur“ bedeutet „Nachsinnen“ oder „Meditation“. Die Sufis üben das Tafakkur, um die Zeichen Gottes im Universum und in ihrem eigenen Dasein zu betrachten und so ihr spirituelles Verständnis zu vertiefen.
Murâqaba (مراقبة)
„Murâqaba“ bedeutet „Überwachung“ oder „innere Wachsamkeit“. Es ist eine sufische Praxis, die darauf abzielt, einerseits eine Wachsamkeit gegenüber sich selbst zu pflegen und andererseits die beständige Gegenwart Gottes im Bewusstsein zu bewahren.
Firâsa (فراسة)
„Firâsa“ bedeutet „Intuition“ oder „Unterscheidungsvermögen“. Die Sufis entwickeln eine intuitive Fähigkeit, die verborgenen Wahrheiten wahrzunehmen und die spirituellen Wirklichkeiten hinter den Erscheinungen zu erkennen.
Yaqîn (يقين)
„Yaqîn“ bedeutet „Gewissheit“. Die Sufis streben danach, einen Zustand des Yaqîn zu erreichen, eine absolute Gewissheit im Glauben und in der Erkenntnis Gottes, die ihren Geist von allem Zweifel befreit.
Adab (أدب)
„Adab“ bedeutet „Etikette“ oder „Anstand“. Die Sufis legen besonderen Nachdruck auf den Adab, die spirituelle Etikette und das sittliche Verhalten, indem sie unter allen Umständen nach den Grundsätzen der Höflichkeit, des Respekts und der Würde leben.
Tawfîq (توفيق)
„Tawfîq“ bedeutet „Gelingen“ oder „vorsehende Hilfe“.
Ischâra (إشارة)
„Ischâra“ bedeutet „Hinweis“ oder „Zeichen“. Die Sufis suchen und deuten die Ischâra, die göttlichen Zeichen und Hinweise, in ihrem täglichen Leben, um ihre Handlungen und Entscheidungen zu lenken.
Basîra (بصيرة)
„Basîra“ bedeutet „Hellsicht“ oder „innere Schau“. Die Sufis entwickeln die Basîra, eine Fähigkeit zur inneren Schau und zur tiefen spirituellen Wahrnehmung, die es ermöglicht, hinter die materiellen Erscheinungen zu blicken.
Hayba (هيبة)
„Hayba“ bedeutet „ehrfurchtsvolle Scheu“. Die Sufis pflegen die Hayba gegenüber Gott, eine Verbindung aus tiefem Respekt und ehrfurchtsvoller Scheu, in Anerkennung Seiner Größe und Seiner Macht.
Wisâl (وصال)
„Wisâl“ bedeutet „Band“ oder „Verbindung“. Die Sufis streben nicht nach der mystischen Vereinigung mit Gott, sondern danach, innerlich das Band mit dem Göttlichen wiederzufinden, das niemals wirklich zerrissen wurde. Es handelt sich um einen Zustand des Bewusstseins der wesenhaften Nicht-Trennung.