Französische Wörter arabischen Ursprungs

FRANZÖSISCHE WÖRTER ARABISCHEN URSPRUNGS

Bestimmten Untersuchungen zufolge stammen von 35 000 gebräuchlichen Wörtern im Französischen mehr als 6 % aus dem Arabischen. In ihrem Werk L’aventure des mots français venus d’ailleurs schätzt Henriette Walter den Anteil der dem Arabischen entlehnten französischen Wörter auf 5 %, also mehr als aus dem Spanischen, den keltischen oder den slawischen Sprachen.

Anderen Studien zufolge stünde das Arabische, gemessen an der Bedeutung der Entlehnungen, an fünfter Stelle, hinter dem Englischen (25 %), dem Italienischen (17 %), dem Germanischen (13 %) und den galloromanischen Dialekten (11 %).

Ab dem 7. Jahrhundert wird das Arabische mit der Ausbreitung des Islam zu einer unverzichtbaren Sprache. Zahlreiche Wissenschaften werden über sie hinweg entwickelt. Der Übergang vom Arabischen ins Französische vollzieht sich über territoriale Eroberungen, über den Handel und über den intellektuellen Austausch, insbesondere die Literatur und die Übersetzung. So wird die Philosophie des Aristoteles hauptsächlich von arabischen Denkern und Übersetzern weitergetragen. Der Übergang erfolgt oft über den Umweg einer anderen Sprache, insbesondere des Italienischen oder des Spanischen. In der Renaissance setzt in Europa ein bedeutender Aufbruch ein, und es schöpft aus den Quellen der Wissenschaften in aller Welt, namentlich aus der arabischen Welt. In dieser Zeit nehmen die europäischen Länder, besonders jene des Mittelmeerraums, den arabischen Wortschatz in sich auf.

Ebenfalls ab der Renaissance, unter der Herrschaft König Franz’ I., setzt sich das Französische als Nationalsprache zum Nachteil der regionalen Dialekte durch. Die Texte der Verwaltung und der Justiz werden von dieser Zeit an auf Französisch abgefasst. In dieser nicht von Ideologie freien Sicht ordneten die Sprachwissenschaftler jener Zeit die Herkunftssprachen des Wortschatzes hierarchisch, indem sie das Lateinische und das Griechische zu den edlen Sprachen zählten und die übrigen Sprachen, namentlich das Arabische, zu den „barbarischen“ Sprachen. So sollen sie sich bemüht haben, die Wurzeln dieser Sprache verschwinden oder in Vergessenheit geraten zu lassen, ebenso wie jene des Türkischen oder des Persischen. In seinem Werk mit dem Titel „Dictionnaire des mots français d’origine arabe“ verzeichnet der Schriftsteller Salah Guemriche drei Verfahren der etymologischen Vereinnahmung: die Umgehung, die Entstellung und die Verschleierung. Solche Techniken werden es ermöglicht haben, den wahren Ursprung zahlreicher Wörter zu verschleiern.

Das auffälligste Beispiel dieser Leugnung ist zweifellos in der Astronomie zu suchen. Dreihundert Sterne tragen einen arabischen Namen. Und doch, wie Régis Morelon vom CNRS anmerkt: „Die Handbücher zur Geschichte der Astronomie übergehen sehr häufig die arabische Astronomie, die sich zwischen dem 9. und dem 15. Jahrhundert entwickelt hat, so als hätte es zwischen der Astronomie des Ptolemäus im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und jener des Kopernikus nichts gegeben …“.

In den Darlegungen zu dieser Frage ist es oft schwierig, die im eigentlichen Sinne arabischen Wörter nach ihrer Wurzel von den Wörtern zu unterscheiden, die diese Sprache lediglich durchlaufen haben. Behalten wir jedoch im Sinn, dass in der Etymologie alles nur eine Frage des Durchgangs ist. Unter den Wörtern arabischen Ursprungs entgehen einige niemandem, wie das Wort chiffre (Ziffer), entlehnt seinem arabischen Pendant sifr, das „die Leere“ bedeutet; oder das Wort gazelle (Gazelle), entlehnt dem arabischen ghazâl. Andere sind weniger bekannt, obgleich ebenso gebräuchlich. Nennen wir die folgenden Wörter:

  • Magasin (Geschäft, Laden), vom arabischen Makhzin
  • Tarif (Tarif), vom arabischen ta‘rif
  • Girafe (Giraffe), vom arabischen zarâfa
  • Guitare (Gitarre), vom arabischen qîthâra
  • Sucre (Zucker), entlehnt dem sukkâr
  • Epinards (Spinat), vom arabischen sabânikh
  • Sofa (Sofa), vom arabischen suffa
  • Chemise (Hemd), vom arabischen qamîs
  • Alcool (Alkohol), vom arabischen Al-kuhûl
  • Douane (Zoll), vom arabischen dîwân
  • Goudron (Teer), vom arabischen qutrân
  • Chimie (Chemie), vom arabischen Kimiyâ’
Es ist bisweilen aufschlussreich, die Geschichte mancher Wörter nachzuzeichnen. Wir haben hier einige davon ausgewählt:
Arobase (At-Zeichen)

Das Wort „arobase“ stammt vom arabischen الرُّبْع, al-rub‘, das das Viertel bedeutet. Es handelte sich um ein Gewichtsmaß, das etwa 12 kg entsprach. Das französische Wort gelangte über den kastilischen Begriff arroba. Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Maß durch das durch das Internet berühmt gewordene Zeichen @ wiedergegeben.

Algorithme (Algorithmus)

Das Wort Algorithmus, obgleich aufgrund seiner langen sprachlichen Reise kaum wiederzuerkennen, leitet seinen Namen von dem überaus berühmten persischen Mathematiker, Astronomen und Geographen Al-Khawârizmî ab, der 850 in Bagdad starb.

Café (Kaffee)

Der Kaffee wurde im 17. Jahrhundert von den venezianischen Kaufleuten nach Europa gebracht. Tatsächlich hat das Wort café seinen Ursprung in dem arabischen Begriff qahwa.

Jupe (Rock)

Das französische Wort „jupe“ gelangte über das italienische „giubba“ und stammt vom Wort jubba. Dieses im Arabischen noch häufig gebrauchte Wort bezeichnet eine Tunika für Männer.

Hazard (Zufall)

„Die Blume“: das ist der reizvolle Ursprung des Wortes hasard (Zufall). Die Geschichte geht, so sagt man, dahin, dass die Gewinnseite eines Würfels zu einer gewissen Zeit mit einer Blume geschmückt war, doch findet sich nirgends, zu welcher Zeit und an welchem Ort. Das Wort soll über das spanische „azar“ gelangt sein. Wie dem auch sei, im Arabischen heißt der Würfel zahr al-nard. Und in Marokko heißt das Glück eben genau „Az-zhar“, was sowohl die Etymologie als auch den Durchgang über Spanien zu bestätigen scheint.

Risque (Risiko)

Eine der ernsthaftesten Hypothesen schlägt das arabische Wort rizq als Ursprung des Wortes risque (Risiko) vor. Es bedeutet nämlich den Anteil, den Gott Seinen Dienern zuteilt, woraus sich der zufällige Charakter des Schicksals ergibt und, in Erweiterung, die Vorstellung des Risikos.

Tulipe (Tulpe)

Die Etymologie dieser Blume ist ursprünglich nicht arabisch (jede Etymologie hat im Übrigen einen Vorläufer), sondern persisch: dulbend, das „Turban“ bedeutet. Der Begriff gelangte über das türkische Wort tülbent. Es ist eben die Ähnlichkeit der Form zwischen dieser geschmückten Kopfbedeckung und der Blume, die dem Namen der Letzteren zugrunde liegt.

Houle (Dünung)

Unter anderen für diesen Begriff vorgeschlagenen Etymologien scheint der arabische Ursprung der wahrscheinlichste zu sein. Im Arabischen drückt das Wort hawl einen großen Schrecken aus. Die Seeleute sollen es verwendet haben, um extreme Navigationsbedingungen zu bezeichnen, was den heutigen französischen Begriff ergeben hätte.

Zénith (Zenit)

Zenit ist eines der zahlreichen Wörter, die aus dem Beitrag der muslimischen Welt auf dem Gebiet der Astronomie ererbt wurden. Im Arabischen evoziert das Wort samt den Weg, in der Wendung samt al-ra’s, was wörtlich „die Richtung [oberhalb] des Kopfes“ bedeutet. Der Begriff gelangte über sein mittellateinisches Pendant zenit.

Raquette (Schläger)

Im Arabischen bedeutet das Wort râha(t) die Handfläche. Von dort soll unser raquette (Schläger) kommen. Dies bestätigt die Bezeichnung jeu de paume (Ballhausspiel, wörtlich „Spiel der Handfläche“).

Sirop (Sirup)

Das Wort sirop (Sirup), ebenso wie das Wort sorbet (Sorbet), stammt vom arabischen sharâb, das ganz einfach Getränk bedeutet. Obgleich dieses Wort gereist ist, bleibt seine Herkunft offensichtlich. Es wurde nämlich zu sharbat im Persischen, serbet im Türkischen und sorbetto im Italienischen. Es waren die venezianischen Kaufleute, die es im Mittelalter nach Italien brachten. Es wird erst im 12. Jahrhundert nach Frankreich gelangen.

Bougie (Kerze)

Das Wort bougie (Kerze) stammt im eigentlichen Sinne nicht aus dem Arabischen, doch kommt es ohne jeden Zweifel von einer Stadt der arabischen Welt, Bougie, oder Bijâya auf Arabisch und auf Kabylisch. Denn im Mittelalter wurde der Handel mit Kerzen in diesem Ort betrieben.

Échec et mat (Schachmatt)

Der beim Schach verwendete Ausdruck stammt vom arabischen „Al-Shaykh mât“, das „der Würdenträger (oder der alte Mann) ist tot“ bedeutete. Der erste Begriff des Ausdrucks kann auch vom persischen „shâh“ kommen, das König bedeutet. Diese zweite Hypothese erscheint stichhaltiger, doch das Verb mât kommt seinerseits eindeutig aus dem Arabischen. Was nicht unvereinbar ist, denn der Titel shah konnte im Arabischen verwendet werden, um die Könige Persiens zu bezeichnen, so wie wir ihn im Französischen verwenden, um vom Schah von Iran zu sprechen.

Élixir (Elixier)

Das Wort élixir (Elixier), das über sein lateinisches Pendant elixir gelangte, stammt vom arabischen al-iksîr, das dem Stein der Weisen entsprach.

Massage (Massage)

Die Wörterbücher schlagen drei Etymologien für das Wort massage (Massage) vor: massein aus dem Griechischen; mashesh aus dem Hebräischen; und masah aus dem Arabischen. Die Ähnlichkeit dieser Wurzeln, zumindest für das Arabische und das Hebräische, hat nichts Erstaunliches, denn die beiden Sprachen sind einander sehr nahe, und es sind eben diese Wurzeln, die den Messias ergeben haben, mashiah im Hebräischen und masîh im Arabischen.

Carafe (Karaffe)

Das Wort carafe (Karaffe) gelangte über das italienische caraffa und das spanische garrafa und stammt vom arabischen gharrâf, das ein Trinkgefäß bedeutet.

Assassin (Mörder)

Um den Ursprung des Wortes assassin (Mörder) zu verstehen, muss man ein wenig Geschichte betreiben. Im 11. Jahrhundert hatte sich in der überaus berühmten Festung Alamut im Nordwesten von Teheran eine aus den Ismailiten (eine schiitische Minderheitsströmung) hervorgegangene Sekte verschanzt. Ihr ebenso berühmter Anführer, Hasan Ibn Sabâh, wurde „der Alte vom Berge“ genannt. Obgleich wenig zahlreich, verbreiteten seine Anhänger Schrecken, indem sie ihre politischen und religiösen Gegner ermordeten, sowohl bei den Muslimen als auch bei den Christen. Die Legende erzählt, der Sektierer habe seine Jünger mit Haschisch betäubt, was ihnen den Beinamen hashshâshîn, oder „die Haschischraucher“, einbrachte. Dieser Begriff gelangte sodann über das italienische assassino. Er wird namentlich in der Göttlichen Komödie Dantes erwähnt.

Alcôve (Alkoven)

Das Wort alcôve (Alkoven) stammt vom arabischen al-qubba über das spanische alcoba: Es bezeichnet ursprünglich eine Kuppel und kann in Erweiterung ein kleines, von einer Kuppel überragtes Bauwerk bezeichnen, namentlich in Marokko.

Matelas (Matratze)

Im 13. Jahrhundert wurde dieses Wort materas ausgesprochen. Über sein italienisches Pendant materasso kommt es, wie es scheint, vom arabischen matrah, das den Ort bedeutet, an den man etwas wirft. Sagt man mitrah, so bezeichnet es einen Gegenstandsnamen, also einen Gegenstand, auf den man sich „wirft“. In der orientalischen Kultur breitet sich das Lager auf dem Boden aus, woher dieser Begriff rührt. Gleichwohl handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um ein altarabisches Wort, denn sein Gebrauch ist namentlich im Lisân al-‘arab nicht belegt.

Calibre (Kaliber)

Das Wort Calibre (Kaliber) stammt ebenfalls vom arabischen qâlib. Es bezeichnet ursprünglich eine Form zum Gießen von Metallen.

Beschließen wir mit einer Legende, einzig zum Vergnügen.

André Chouraqui, der sie überliefert, gibt an, dass das Wort „musique“ (Musik) nicht von „muse“ (Muse) stamme, wie es gemeinhin verstanden wird, sondern von „Mose“. Als der Herr diesem nämlich auftrug, mit seinem Stab auf den Felsen zu schlagen, ließ er zwölf Wasserstrahlen hervorbrechen. Die himmlische Stimme soll auf Arabisch gesagt haben: Ya Mûsâ-squi! (O Mose, tränke!). Durch Verschmelzung ergab dieser Satz sodann mûsîqâ: Musik! Und damit ist es nicht zu Ende. Denn die zwölf Strahlen inspirierten anschließend die zwölf Modi der arabischen Musik.

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