Der Tajwîd ist die Kunst, den Koran korrekt zu rezitieren, unter Beachtung der von der islamischen Tradition festgelegten Regeln der Aussprache, des Rhythmus und der Intonation. Im Folgenden finden Sie eine ausführliche Erläuterung der wichtigsten Aspekte des Tajwîd, ergänzt durch praktische Beispiele:
Definition
Das Wort tajwîd bedeutet im Arabischen „verschönern“ oder „vortrefflich machen“. Auf den Koran angewandt, bezeichnet es die Regeln, die es ermöglichen, jeden Buchstaben korrekt und gemäß seinen phonetischen Eigenschaften zu rezitieren.
„Und rezitiere den Koran sorgfältig.“ (Sure Al-Muzzammil, 73:4).
Wichtigste Regeln des Tajwîd mit Beispielen
Sifât al-hurûf (Eigenschaften der Buchstaben)
Die Buchstaben besitzen eigene Merkmale wie etwa:
- Idhâr (Deutlichkeit): Einen Buchstaben klar aussprechen, ohne übermäßige Nasalierung.
- Beispiel: قُلْ (Qul) mit einer deutlichen Betonung auf dem ق aussprechen.
- Ghunna (Nasalierung): Eine nasale Resonanz, die zum Beispiel auf die Buchstaben ن und م angewandt wird, wenn ihnen bestimmte Bedingungen folgen.
- Beispiel: In إِنَّا أَعْطَيْنَاكَ (Inna a’taynaka) wird das نّ mit Nasalierung ausgesprochen.
Regeln des Nûn Sâkina und Tanwîn
Das Nûn Sâkina (نْ) und das Tanwîn (ein doppelter Vokal: ـًـٍـٌ) folgen vier Hauptregeln:
- Idhâr (Verdeutlichung): Das ن deutlich aussprechen.
- Beispiel: مِنْ أَمْرِهِ (Min amrihi).
- Idghâm (Verschmelzung): Das ن mit dem folgenden Buchstaben verschmelzen.
- Beispiel: مَن يَعْمَلْ wird zu مَيَعْمَلْ (ohne das ن deutlich auszusprechen).
- Iqlâb (Umwandlung): Das ن in ein م umwandeln, wenn ein ب folgt.
- Beispiel: مِن بَعْدِ wird zu مِم بَعْدِ (mit Nasalierung).
- Ikhfâ’ (Verbergung): Den Laut ن leicht und nasal zwischen dem Makhraj und dem folgenden Buchstaben erklingen lassen.
- Beispiel: مِن قَبْلِ (Min qabli), das ن wird leicht verdeckt.
Madd (Dehnung)
Der Madd besteht darin, den Vokalklang unter bestimmten Bedingungen zu verlängern:
- Madd Tabî‘î (natürlich): 2 Zeiteinheiten der Dehnung.
- Beispiel: قَالَ (Qâla).
- Madd Muttasil (verbundene Dehnung): 4 bis 5 Zeiteinheiten, wenn dem Madd ein Hamza folgt (ء).
- Beispiel: جَاءَ (Jâ’a).
- Madd Munfasil (getrennte Dehnung): 4 Zeiteinheiten, wenn der Madd einem Hamza in einem anderen Wort vorausgeht.
- Beispiel: فِي أَنْفُسِكُمْ (Fî anfusikum).
Qalqala (Resonanz)
Die Qalqala besteht darin, den Buchstaben bei einem Sukûn (Fehlen eines Vokals) nachschwingen zu lassen, und zwar bei den folgenden Buchstaben: ق، ط، ب، ج، د.
- Beispiel:
- In أَقْسَمَ (Aqsama) erzeugt das قْ ein leichtes Nachschwingen.