Fremdsprachendidaktik

Die Didaktik der Fremdsprachen

Traditionelle Methode (auch Grammatik-Übersetzungs-Methode genannt)

Zu einer Zeit, als Audio- und Videomedien noch nicht existierten, waren die Unterrichtsformen nicht sonderlich vielfältig. Zudem wurden zahlreiche Sprachen hauptsächlich zum Zweck des Leseverständnisses erlernt (Latein, Griechisch, Sanskrit, Althebräisch usw.). Das Erlernen von Sprachen war somit das Privileg gebildeter Menschen oder vollzog sich im natürlichen Rahmen der Begegnung der Völker.

Für diese erstgenannten wurden die ersten Methoden entwickelt. Diese räumten der Grammatik eine zentrale, ja geradezu heilige Rolle ein, und es wurden ausschließlich literarische Texte behandelt.

Der Unterricht erfolgte ausgehend von einer Fremdsprache, und neben den klassischen Grammatikübungen kam der Übersetzung (Hin- und Herübersetzung) ein wichtiger Stellenwert zu, wobei das Ziel darin bestand, gut zu lesen, gut zu schreiben oder gut zu übersetzen.

Aus didaktischer Sicht gehen diese Methoden von dem Grundsatz aus, dass der beste Lernansatz darin besteht, Grammatik und Wortschatz gründlich zu verinnerlichen. Gleichwohl stellt sich – abgesehen vom oft frustrierenden Charakter dieses Ansatzes – die Frage nach der Wirksamkeit beim Einprägen und Verinnerlichen der Sprachmechanismen (aber auch des idiomatischen Gebrauchs, der soziolinguistischen Aspekte usw.) hierbei gar nicht.

Doch selbst zu Lernzwecken für das Lesen muss sich die Frage nach der Wirksamkeit stellen. Und einer der Mängel ausschließlich schriftlicher Materialien besteht darin, dass die Laute und der Rhythmus der Sprache häufig schlecht aufgenommen werden, was zum einen zur Folge hat, dass das Einprägen schlecht gelingt (da das Gedächtnis nicht mag, was unscharf und ungenau ist), und zum anderen, dass der Lernende falsche Informationen abspeichert, die er folglich wieder neu erlernen muss.

Was die arabische Sprache heute betrifft, so bleibt dieser Ansatz höchst aktuell, denn zahlreiche Menschen erlernen diese Sprache nur zum Zweck des Verständnisses (insbesondere des Korans) und haben nicht das Vorhaben, auf Arabisch zu kommunizieren. Zudem wird das klassische Arabisch in der mündlichen Kommunikation nicht verwendet, es sei denn auf recht künstliche Weise. Und auch wenn alle Dialekte, die es im gesprochenen Gebrauch ersetzen, den überwiegenden Großteil ihres Wortschatzes aus dem literarischen Arabisch schöpfen, behalten sie dennoch die Ausschließlichkeit der Mündlichkeit außerhalb des medialen und offiziellen Rahmens.

Dies ist einer der Gründe, weshalb man weiterhin Arabischmethoden nach dem traditionellen Modell hervorbringt. Da der Trend jedoch zur Kommunikation geht, insbesondere im beruflichen Rahmen (Tourismus, NGOs usw.), sind heute moderne Methoden entstanden.

Direkte aktive Methode (nach dem Ersten Weltkrieg)

Diese Methode, entstanden nach dem Ersten Weltkrieg, geht von dem Grundsatz aus, dass ein Kind seine Muttersprache durch Immersion erlernt und nicht auf das analytische Studium der Grammatik zurückgreifen muss. Darin liegt also das ganze Anliegen der „direkten“ Methode, denn man erlernt die Sprache unmittelbar in der Sprache selbst, ohne auf die Erklärung oder Übersetzung in eine andere Sprache zurückzugreifen.

Das Dogma besagt, dass man eine Sprache, um sie zu erlernen, praktizieren, also sprechen muss. Man geht also vom „Wissen über die Sprache“ zur „Praxis der Sprache“ über.

Mit diesem Ansatz schlägt der Unterricht von einem Extrem ins andere um. Man lässt dabei außer Acht, dass ein gebildeter Muttersprachler ebenfalls die Schule besucht hat. Und auch wenn ein Kind im Rahmen des Elternhauses die sprachlichen Reflexe wirksam im Kontext erwirbt, wird es ebenso dazu angehalten, sich durch Bücher, Medien und Kultur zu bilden. Seine sprachliche Kompetenz beschränkt sich somit nicht auf kommunikative Reflexe, sondern umfasst auch ein „Wissen über die Sprache“ sowie eine soziologische und kulturelle Kenntnis, die eng mit dieser Sprache verbunden sind.

Strukturalistischer Behaviorismus (1950) (Beginn der Didaktik):

Die 1950er Jahre markieren die Anfänge der eigentlichen Didaktik. Man stellt sich nun die Frage nach den Bedingungen eines optimalen Lernens. Welches ist die sinnvollste Reihenfolge bei der Darbietung der sprachlichen Mechanismen; welches Gleichgewicht muss man zwischen Mündlichem und Schriftlichem finden; wie ist die Größe der Gruppen zu bestimmen; usw.

Diese Epoche ist geprägt vom „Behaviorismus“ mit der großen Theorie der „Pawlow’schen Konditionierung“. Im Sprachunterricht hat diese Theorie eine Reihe von Wiederholungsübungen hervorgebracht. Und da das Tonbandgerät gerade aufgekommen war, wurde dieses zum bevorzugten Werkzeug der Methode.

Die Wiederholungsübungen erweisen sich bisweilen als wirksam, doch sind sie auch sehr abschreckend, wenn sie systematisch praktiziert werden. Deshalb sind sie nach wie vor in Gebrauch, in seriösen Lehrwerken jedoch in maßvollem Umfang.

Manche Internetseiten hingegen räumen solchen Übungen weiterhin einen bevorzugten Platz ein, da sie einfach umzusetzen sind und den Vorteil bieten, allein praktiziert werden zu können.

Die audio-orale Methode

Ebenfalls während des Zweiten Weltkriegs jenseits des Atlantiks entstanden, wurde diese Methode entwickelt, um dem Bedarf der amerikanischen Armee zu entsprechen. Sie stellt die unmittelbarste Anwendung des Behaviorismus dar.

In den 1950er Jahren entwickeln Linguisten die MAO (audio-orale Methode). Die Priorität bleibt dabei dem Mündlichen vorbehalten, doch das Schriftliche ist nicht gänzlich untersagt. Die Sprache wird als eine Gesamtheit von Automatismen betrachtet, die es zu erwerben gilt. Die systematische Reihenfolge des Lernens lässt sich so zusammenfassen: Der Schüler hört zu, dann spricht er, dann liest er, dann schreibt er.

Es gilt, die realen Situationen so weit wie möglich nachzustellen. Dies macht den Einsatz von Dialogen unumgänglich. Im Übrigen ist der Gebrauch der Muttersprache untersagt und die grammatische Analyse wenig angesehen.

Audiovisuell (Ende 1960er–70er) (Strukturo-globale audiovisuelle Methode) S.G.A.V.

Dieser nächste Abschnitt fügt sich in einen besonderen politischen Kontext ein. Die Ausbreitung des Englischen im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg hat Frankreich für die Gefahr des Niedergangs der Sprache Molières sensibilisiert. Um die Fortdauer ihrer Ausstrahlung zu sichern, wird Frankreich aktiv: ausgestattet mit Linguisten, Pädagogen und Didaktikspezialisten, versucht es, die wirksamsten Werkzeuge für den Unterricht der französischen Sprache zu entwickeln.

Jenseits des Atlantiks ist man ebenfalls aktiv. Daraus ergibt sich ein großer Wetteifer auf diesem Gebiet.

Aus praktischer Sicht sieht man somit die berühmten „globalen Methoden“ aufkommen.

Das Lehrwerk verringert sich daraufhin in seinem schriftlichen Inhalt zugunsten des Bildes und der Tonaufnahme. Die Grammatik wird auf das Allernotwendigste beschränkt oder gar gestrichen. Man bevorzugt die Immersion. Der Realismus steht im Vordergrund: Man inszeniert Situationen des Alltagslebens und verzichtet auf die „schöne Sprache“ zugunsten der Alltagssprache.

Die eigentliche S.G.A.V.-Methodologie erforderte recht umfangreiche und kostspielige Einrichtungen (Tonbandgerät, Sprachlabor usw.), aber auch eine gute Ausbildung der Lehrkräfte.

Sie greift das Erbe der „direkten“ Methodologie auf, trägt jedoch die meisten Konzepte in sich, die im Laufe der folgenden Jahrzehnte in Erscheinung treten werden.

Die notional-funktionalen und kommunikativen Ansätze (1980er–1990er Jahre)

In den 1970er Jahren führen die institutionelle und politische europäische Nachfrage zu dem, was man die „Arbeiten des Europarats“ nennt. Diese prägen den Sprachunterricht grundlegend. Sie münden in den kommunikativen und den notional-funktionalen Ansatz. Diese beiden Ansätze werden bisweilen miteinander verwechselt.

Der notional-funktionale Ansatz

(funktional: die Sprache zum Funktionieren bringen. Notional: Begriffe behandeln: sich vorstellen, Einkäufe erledigen, reisen usw.)

Die Ausgangsfrage lautet folgendermaßen: „Was soll unterrichtet werden?“

Das Neue an diesem Ansatz ist der Übergang von einem grammatischen Programm zu einem situativen, an den Bedürfnissen des Lernenden ausgerichteten Programm.

Es geht zunächst darum, die Bedürfnisse des Schülers zu ermitteln und anschließend die Inhalte entsprechend diesen Bedürfnissen zu gestalten.

Der funktionale Ansatz konzentriert sich auf die Festlegung der Unterrichtsziele und sucht, die erwarteten Lernergebnisse zu präzisieren. Es handelt sich um eine Pädagogik nach Zielen. Diese ist in den 1980er Jahren sehr in Mode.

In der Praxis handelt es sich eher um eine Form der Programmgestaltung als um eine pädagogische Methode. Das Wesentliche an einem solchen Programm ist, dass es nach „Begriffen“ und „Funktionen“ anstelle der klassischen grammatischen Strukturen gegliedert ist. Der Begriff bezeichnet einen Kontext, der für den Lernenden den Gebrauch von Kommunikationsfunktionen mit sich bringt. Es handelt sich beispielsweise um den Begriff „Hotel“, der erfordert, sich an einer Rezeption vorzustellen, ein Formular auszufüllen, Hinweise zu verstehen, ein Zahlungsmittel zu verwenden usw. Er unterscheidet sich von den Methoden, die stärker auf das Verständnis und die Wiederholung sprachlicher Elemente und grammatischer Strukturen ausgerichtet sind. Er ermöglicht es dem Schüler, sein Wissen und seine Kompetenzen in Bezug auf reale Situationen zu ordnen.

Als Erbe dieser Epoche findet man auch heute noch sehr thematisch ausgerichtete Methoden, insbesondere im Arabischen. Die Titel der Lektionen lauten beispielsweise: im Hotel; im Restaurant; am Bahnhof; auf der Post; auf dem Markt; am Flughafen; usw. Doch die Nutzung des Inhalts dieser Themen bleibt oft sehr rudimentär, und die angebotenen Übungen unterscheiden sich nicht von jenen, die man in den klassischen Methoden findet.

Der kommunikative Ansatz

Der kommunikative Ansatz ist eine notwendige pädagogische Anpassung, um neue didaktische Grundsätze in Einklang zu bringen, die sich aus einem auf den Lernenden ausgerichteten Vorgehen und folglich aus einer neuen Sichtweise des Lernens ergeben.

Im notional-funktionalen Ansatz stand die Frage der Inhalte im Zentrum der Überlegung. Dies führte zu der weiter oben erwähnten didaktischen Umkehr.

Insbesondere infolge der Arbeiten der Schule von Oxford und aufgrund des wachsenden Interesses für die soziolinguistischen Aspekte der Kommunikation hat man den Begriff der „sprachlichen“ (oder grammatischen) „Kompetenz“ Chomskys zugunsten des Begriffs der „kommunikativen Kompetenz“ aufgegeben.

Aus dieser Sicht kann es nicht genügen, das sprachliche System zu kennen; man muss es darüber hinaus auf angemessene Weise anwenden können.

Eine wichtige Unterscheidung wird zwischen den „grammatischen Normen“ und den „Gebrauchsnormen“ getroffen.

Die Autonomie und das Streben nach Authentizität sowie eine Veränderung der Rolle der Lehrkraft kennzeichnen diese Wende. So werden jene Aktivitäten bevorzugt, die reale Kommunikationssituationen wiedergeben oder enthalten. Der Unterricht wird häufig um Themen herum gestaltet: das Hotel, der Markt, das Fest usw., was sich gut mit dem notional-funktionalen Ansatz vereinbaren lässt.

Handlungsorientierter Ansatz

Der handlungsorientierte Ansatz ist die jüngste große Lehre auf dem Gebiet der Sprachdidaktik. Er betrachtet das Kommunizieren als Handeln oder als das Vollziehen von Handlungen. Daher sein Name. Die Kommunikation hat letztlich nur im Rahmen einer realen Handlung Sinn. Der Unterricht darf sich also nicht mehr mittels Simulationen und unwahrscheinlicher imaginärer Situationen vollziehen, sondern durch den Gebrauch der Zielsprache in jener realen Gesellschaft, die der Sprachunterricht darstellt. Konkret geht es also darum, „Projekte“ oder „sozial-sprachliche Handlungen“ in diesem Unterricht selbst zu verwirklichen. Man lädt den Lernenden dazu ein, sich ein Ziel zu setzen, das sich nicht auf die Wiederholung sprachlicher Realisierungen beschränkt. „Das Projekt“ fügt sich in einen Verwirklichungskontext ein, der gewisse vorausgehende Kompetenzen, aber auch Allgemeinwissen erfordert. Vorbereitende Aktivitäten für das Projekt laufen auf dieses zu, bis zu seiner Verwirklichung. Diese Aktivitäten stehen im Dienste des Projekts und sind kein Selbstzweck.

Es kann sich beispielsweise um das Verfassen einer E-Mail an einen Korrespondenten handeln. Dies erfordert die Kenntnis der Gepflogenheiten in Sachen Begrüßung, eines für die Korrespondenz auf diesem Wege spezifischen Wortschatzes usw.

Der handlungsorientierte Ansatz wird bis heute im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) vorgeschlagen. Doch hört man auch von einem ko-handlungsorientierten Ansatz sprechen. Dieser legt die Verwirklichung gemeinsamer und partizipativer Handlungen nahe, um sich nicht auf ein individuelles Vorgehen zu beschränken.

ARABISCHKURSE

Das Streben nach Exzellenz im Unterricht. Entdecken Sie meine Kurse für koranisches Arabisch und Tafsîr (Exegese des Korans) online. INSTITUT IMTIYAZ