Die Schlüsselwörter des Korans

Die Schlüsselwörter des Korans

Islâm, îmân, Iḥsân

إسلام Islâm

Das Wort „islâm“ trägt drei Bedeutungen:

Es bedeutet zunächst „sich jemandem überlassen“. Geschieht diese Überlassung freiwillig, so handelt es sich um eine „Zustimmung“. Wird diese Überlassung in einem Kriegskontext durch bewaffnete Verteidigung erzwungen, so kann man von „Unterwerfung“ sprechen.

Sodann trägt es die Bedeutung von „Anschluss an den Frieden“.

Schließlich trägt es die Bedeutung von „ausschließlicher Hingabe“.

In den Exegesen werden diese drei Bedeutungen durch koranische Stellen veranschaulicht. Betrachten Sie.

Erste Bedeutung

Nachdem beide sich überlassen hatten und Abraham seinen Sohn mit der Stirn zu Boden gelegt hatte, […] (37,103)

فَلَمَّا أَسْلَمَا وَتَلَّهُ لِلْجَبِينِ

Sag denjenigen unter den Beduinen, die zurückgeblieben sind: „Ihr werdet bald zu sehr mächtigen Völkern gerufen werden: Ihr werdet sie bekämpfen, oder sie werden sich unterwerfen.“ (48,16)

قُلْ لِلْمُخَلَّفِينَ مِنَ الْأَعْرَابِ سَتُدْعَوْنَ إِلَى قَوْمٍ أُولِي بَأْسٍ شَدِيدٍ تُقَاتِلُونَهُمْ أَوْ يُسْلِمُونَ (16)

Zweite Bedeutung

O ihr Gläubigen! Tretet alle in den Frieden (oder die Befriedung) ein, und folgt nicht den Schritten des Teufels, denn er ist euch gewiss ein erklärter Feind. [2:208]

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا ادْخُلُوا فِي السِّلْمِ كَافَّةً وَلَا تَتَّبِعُوا خُطُوَاتِ الشَّيْطَانِ إِنَّهُ لَكُمْ عَدُوٌّ مُبِينٌ (208)

Und sagt nicht zu dem, der euch den Frieden anbietet: „Du bist kein Gläubiger!“, um damit einen Gewinn in diesem Diesseits zu erlangen. Bei Gott gibt es reichliche Beute. So habt ihr euch einst verhalten, doch Gott hat euch Seine Gnade gewährt. So seid scharfsichtig! Gewiss, Gott ist über das, was ihr tut, wohl unterrichtet. (4,94)

وَلَا تَقُولُوا لِمَنْ أَلْقَى إِلَيْكُمُ السَّلَامَ لَسْتَ مُؤْمِنًا تَبْتَغُونَ عَرَضَ الْحَيَاةِ الدُّنْيَا فَعِنْدَ اللَّهِ مَغَانِمُ كَثِيرَةٌ كَذَلِكَ كُنْتُمْ مِنْ قَبْلُ فَمَنَّ اللَّهُ عَلَيْكُمْ فَتَبَيَّنُوا إِنَّ اللَّهَ كَانَ بِمَا تَعْمَلُونَ خَبِيرًا

Dritte Bedeutung

Gott hat als Gleichnis einen Mann angeführt, der mehreren sich um ihn streitenden Teilhabern gehört, und einen [anderen] Mann, der einem einzigen Mann gehört. (36,29)

ضَرَبَ ٱللَّهُ مَثَلاً رَّجُلاً فِيهِ شُرَكَآءُ مُتَشَاكِسُونَ وَرَجُلاً سَلَمًا لِّرَجُلٍ

Halten wir fest, dass diese drei Bedeutungen einander nicht ausschließen. Der Begriff islâm ließe sich somit zusammenfassen als das ausschließliche Sich-Überlassen an den Frieden.

Ein in zahlreichen Versionen überlieferter Hadith verdeutlicht diese Bedeutung. Man wird bemerken, dass in der ersten unten erwähnten Version der Text „المسلمين“ sagt und in der zweiten „الناس“.

المسلمُ من سلِم المسلمون من لسانِه ويدِه

Der muslim ist derjenige, der die muslims vor seiner Zunge und seiner Hand verschont.

المسلمُ من سلم الناسُ من لسانه ويدهِ، والمؤمنُ من أمنه الناسُ على دمائهم وأموالهم

Der muslim ist derjenige, der die Menschen vor seiner Zunge und seiner Hand verschont. Und der mu’min ist derjenige, der die Menschen hinsichtlich ihres Blutes und ihres Vermögens in Sicherheit weiß.

Anmerkung: Das Verb سَلِمَ bedeutet heil und unversehrt/verschont sein. Denn das ist es, was der Frieden gewährleistet.

Was seine Gesamtbedeutung im Koran betrifft, so ist sie untrennbar mit dem Begriff „دين قيّم“ verbunden, das heißt „die aufrechte und unwandelbare Religion“ gemäß den Bedeutungen seiner Wurzel und der Auslegung, die die Kommentatoren ihr geben, siehe zum Beispiel Al-Râzî.

Betrachten Sie.

Er hat euch im Bereich der Religion den Weg gewiesen, den Er Noah vorgeschrieben hatte, sowie das, was Wir dir offenbart haben, und das, was Wir Abraham, Moses und Jesus vorgeschrieben haben: dass sie die Religion einhalten und dass ihr euch ihretwegen nicht spaltet! (42,13)

شَرَعَ لَكُمْ مِنَ الدِّينِ مَا وَصَّى بِهِ نُوحًا وَالَّذِي أَوْحَيْنَا إِلَيْكَ وَمَا وَصَّيْنَا بِهِ إِبْرَاهِيمَ وَمُوسَى وَعِيسَى أَنْ أَقِيمُوا الدِّينَ وَلَا تَتَفَرَّقُوا فِيهِ

Er hat befohlen, dass ihr nur Ihn anbetet. Das ist die unwandelbare (oder aufrechte) Religion, doch die meisten Menschen wissen es nicht. (12,40)

أَمَرَ أَلَّا تَعْبُدُوا إِلَّا إِيَّاهُ ذَٰلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَٰكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ

Wende dich der Religion zu, als reiner Gläubiger: die ursprüngliche Natur Gottes, gemäß welcher Dieser die Menschen erschaffen hat. Keine Veränderung an der Schöpfung Gottes. Das ist die unwandelbare Religion, doch die meisten Menschen wissen es nicht. Kehrt reumütig zu Gott zurück, fürchtet Ihn, verrichtet das Gebet und gehört nicht zu den Beigesellern, zu denen, die ihre Religion zerspalten und Sekten gebildet haben, wobei jede Gruppierung sich über das freut, was sie besitzt. (30,30-32)

فَأَقِمْ وَجْهَكَ لِلدِّينِ حَنِيفًا فِطْرَتَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ ذَلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ (30) مُنِيبِينَ إِلَيْهِ وَاتَّقُوهُ وَأَقِيمُوا الصَّلَاةَ وَلَا تَكُونُوا مِنَ الْمُشْرِكِينَ (31) مِنَ الَّذِينَ فَرَّقُوا دِينَهُمْ وَكَانُوا شِيَعًا كُلُّ حِزْبٍ بِمَا لَدَيْهِمْ فَرِحُونَ (32)

Sag: „Gewiss, mein Herr hat mich auf einen geraden Weg geleitet, eine unwandelbare Religion, die Religion Abrahams, eines reinen Gläubigen (hanîf), der kein Beigeseller war.“ (6,61)

قُلْ إِنَّنِي هَدَانِي رَبِّي إِلَى صِرَاطٍ مُسْتَقِيمٍ دِينًا قِيَمًا مِلَّةَ إِبْرَاهِيمَ حَنِيفًا وَمَا كَانَ مِنَ الْمُشْرِكِينَ (161)

O meine beiden Gefängnisgefährten! Sind verschiedene voneinander getrennte Herren besser als Allâh, der einzige Gott, der Unbezwingbare? Diejenigen, die ihr außer Ihm anbetet, sind nur Namen, die ihr und eure Väter ihnen gegeben habt, ohne dass Gott euch dazu irgendeine Vollmacht erteilt hätte. In Wahrheit gehört das Urteil allein Gott. Er hat befohlen, dass ihr nur Ihn anbetet. Das ist die unwandelbare Religion, doch die meisten Menschen wissen es nicht. (12,39-40)

يَا صَاحِبَيِ السِّجْنِ أَأَرْبَابٌ مُتَفَرِّقُونَ خَيْرٌ أَمِ اللَّهُ الْوَاحِدُ الْقَهَّارُ (39) مَا تَعْبُدُونَ مِنْ دُونِهِ إِلَّا أَسْمَاءً سَمَّيْتُمُوهَا أَنْتُمْ وَآبَاؤُكُمْ مَا أَنْزَلَ اللَّهُ بِهَا مِنْ سُلْطَانٍ إِنِ الْحُكْمُ إِلَّا لِلَّهِ أَمَرَ أَلَّا تَعْبُدُوا إِلَّا إِيَّاهُ ذَلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ (40)

إيمان Îmân

Dieser Begriff trägt zwei Bedeutungen, die man nicht wirklich voneinander trennen kann. Die erste ist die ursprüngliche Bedeutung, die von der Wurzel vorgegeben wird, das heißt „das Sichern“, „des in einen gesetzten Vertrauens würdig sein“ oder „hinsichtlich seiner Verpflichtungen treu und verlässlich sein“. Es ist diese erste Bedeutung, die man aus den nachstehenden Stellen ableitet (ebenso wie aus dem zweiten Teil des weiter oben erwähnten Hadith). Betrachten Sie:

Wegen des Bündnisses der Quraisch, ihres Bündnisses [bezüglich] der Winter- und Sommerreisen. So sollen sie den Herrn dieses Hauses (der Kaaba) anbeten. Der sie gegen den Hunger ernährt und gegen die Furcht gesichert hat! (106,1-4)

لِإِيلَافِ قُرَيْشٍ (1) إِيلَافِهِمْ رِحْلَةَ الشِّتَاءِ وَالصَّيْفِ (2) فَلْيَعْبُدُوا رَبَّ هَذَا الْبَيْتِ (3) الَّذِي أَطْعَمَهُمْ مِنْ جُوعٍ وَآمَنَهُمْ مِنْ خَوْفٍ (4)

Er ist es, Gott. Keine Gottheit außer Ihm; der Herrscher, der Reine, der Friedenspendende, der Verlässliche, der Vorherrschende, der Allmächtige, der Bezwingende, der Stolze. Gepriesen sei Gott! Er ist erhaben über das, was sie Ihm beigesellen. (59,23)

هُوَ اللَّهُ الَّذِي لَا إِلَهَ إِلَّا هُوَ الْمَلِكُ الْقُدُّوسُ السَّلَامُ الْمُؤْمِنُ الْمُهَيْمِنُ الْعَزِيزُ الْجَبَّارُ الْمُتَكَبِّرُ سُبْحَانَ اللَّهِ عَمَّا يُشْرِكُونَ (23)

Die zweite ist die des Glaubens oder der Überzeugung, wie in den nachstehenden Stellen:

Diejenigen, die an das Verborgene glauben und das Gebet verrichten und [als Almosen] einen Teil dessen ausgeben, was Wir ihnen gewährt haben. (2,3)

الَّذِينَ يُؤْمِنُونَ بِالْغَيْبِ وَيُقِيمُونَ الصَّلَاةَ وَمِمَّا رَزَقْنَاهُمْ يُنْفِقُونَ

Der Gesandte hat an das geglaubt, was von seinem Herrn auf ihn herabgesandt wurde, und ebenso die Gläubigen. Jeder glaubt an Gott, an Seine Engel, an Seine Bücher und an Seine Gesandten. Wir machen keinen Unterschied zwischen Seinen Gesandten. Sie sagten: „Wir haben gehört und wir haben gehorcht. Deine Vergebung, unser Herr! Und zu Dir ist die endgültige Rückkehr!“ (2,285)

آمَنَ الرَّسُولُ بِمَا أُنزِلَ إِلَيْهِ مِن رَّبِّهِ وَالْمُؤْمِنُونَ كُلٌّ آمَنَ بِاللّهِ وَمَلآئِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ لاَ نُفَرِّقُ بَيْنَ أَحَدٍ مِّن رُّسُلِهِ وَقَالُواْ سَمِعْنَا وَأَطَعْنَا غُفْرَانَكَ رَبَّنَا وَإِلَيْكَ الْمَصِيرُ

In anderen Stellen ist es schwieriger, diese beiden Bedeutungen voneinander zu trennen. Betrachten Sie.

Die schlimmsten der lebenden Geschöpfe vor Gott sind diejenigen, die unredlich handeln (oder leugnen, oder undankbar sind), sodass sie des ihnen gewährten Vertrauens nicht würdig sind (oder nicht glauben): diejenigen unter ihnen, mit denen du einen Bund schließt und die danach bei jeder Gelegenheit ihre Verpflichtungen verletzen und nicht achtsam sind. (8,55-56)

إِنَّ شَرَّ الدَّوَابِّ عِنْدَ اللَّهِ الَّذِينَ كَفَرُوا فَهُمْ لَا يُؤْمِنُونَ (55) الَّذِينَ عَاهَدْتَ مِنْهُمْ ثُمَّ يَنْقُضُونَ عَهْدَهُمْ فِي كُلِّ مَرَّةٍ وَهُمْ لَا يَتَّقُونَ (56)

Wer die falschen Götter (oder die Tyrannen/Rebellen) verleugnet (oder zurückweist) und Gott gegenüber treu ist (und glaubt), der hat sich an die festeste Handhabe geklammert. (2,256) (2,256)

لَا إِكْرَاهَ فِي الدِّينِ قَدْ تَبَيَّنَ الرُّشْدُ مِنَ الْغَيِّ فَمَنْ يَكْفُرْ بِالطَّاغُوتِ وَيُؤْمِنْ بِاللَّهِ فَقَدِ اسْتَمْسَكَ بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقَى لَا انْفِصَامَ لَهَا وَاللَّهُ سَمِيعٌ عَلِيمٌ

Die Frage, die sich dann stellt, ist die nach dem Zusammenhang zwischen der Treue und dem Glauben. Letzterer wäre die Fortführung einer Form von Redlichkeit gegenüber dem anvertrauten Pfand „أمانة“, das man im Allgemeinen mit dem Gewissen verbindet. Mit anderen Worten: Im koranischen Kontext scheint das Gewissen auf natürliche Weise zum Glauben zu führen. Aus all diesen Gründen übersetzte Maurice Gloton das Wort „مؤمن“ mit „derjenige, der das anvertraute Pfand verwirklicht“.

Es trifft zu, dass der Koran diesem „إيمان“ eine „operative“ Fortführung verleiht. Betrachten Sie.

Diejenigen, die das Gebet verrichten und [als Almosen] einen Teil dessen ausgeben, was Wir ihnen zugeteilt haben. Das sind in Wahrheit die Treuen (oder Gläubigen). (8,3-4)

الَّذِينَ يُقِيمُونَ الصَّلاَةَ وَمِمَّا رَزَقْنَاهُمْ يُنفِقُونَ * أُوْلَئِكَ هُمُ الْمُؤْمِنُونَ حَقًّا

Glückselig sind die Treuen (oder Gläubigen)! Diejenigen, die in ihren Gebeten Demut üben; diejenigen, die unnützes Gerede meiden; diejenigen, die das Almosen praktizieren; diejenigen, die sich davor hüten, geschlechtliche Beziehungen zu haben, außer mit ihren Ehefrauen und ihren Sklavinnen; dann kann man sie nicht tadeln, (23,1-6)

قَدْ أَفْلَحَ الْمُؤْمِنُونَ (1) الَّذِينَ هُمْ فِي صَلَاتِهِمْ خَاشِعُونَ (2) وَالَّذِينَ هُمْ عَنِ اللَّغْوِ مُعْرِضُونَ (3) وَالَّذِينَ هُمْ لِلزَّكَاةِ فَاعِلُونَ (4) وَالَّذِينَ هُمْ لِفُرُوجِهِمْ حَافِظُونَ (5) إِلَّا عَلَى أَزْوَاجِهِمْ أَوْ مَا مَلَكَتْ أَيْمَانُهُمْ فَإِنَّهُمْ غَيْرُ مَلُومِينَ (6)

Gewiss, die Treuen (oder Gläubigen) sind diejenigen, deren Herzen erbeben, wenn der Name Gottes erwähnt wird, diejenigen, deren Glaube zunimmt, wenn man ihnen Seine Verse verliest, und diejenigen, die sich auf ihren Herrn verlassen, (8,2)

إِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ الَّذِينَ إِذَا ذُكِرَ اللهُ وَجِلَتْ قُلُوبُهُمْ وَإِذَا تُلِيَتْ عَلَيْهِمْ آَيَاتُهُ زَادَتْهُمْ إِيمَانًا وَعَلَى رَبِّهِمْ يَتَوَكَّلُونَ

إحسان Ihsân

Der dritte dieser Begriffe ist leichter zu fassen. Er bedeutet wörtlich „gut handeln“. Man kann ihn also mit „Wohltätigkeit“ oder „Vortrefflichkeit“ übersetzen.

Die beiden nachstehenden Stellen zeigen die Bedeutung dieses Begriffs deutlich. Die erste in einem profanen Kontext, die zweite in einem religiösen Kontext.

Er war gütig zu mir, als Er mich aus dem Gefängnis herausführte. (12,100)

وَقَدْ أَحْسَنَ بِي إِذْ أَخْرَجَنِي مِنَ السِّجْنِ

Wahrlich, diejenigen, die glauben und gute Werke vollbringen, werden sehen, dass Wir den Lohn dessen, der gut handelt, nicht verloren gehen lassen. (18,30)

إِنَّ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ إِنَّا لَا نُضِيعُ أَجْرَ مَنْ أَحْسَنَ عَمَلًا

In der nachstehenden Stelle erscheint diese „Wohltätigkeit“ als der Höhepunkt eines Weges, wie es die Tradition darstellt. Sehen Sie.

Für diejenigen, die treu sind und gute Werke tun, besteht kein Vorwurf hinsichtlich dessen, was sie [an Verbotenem vor seiner Untersagung] zu sich genommen haben, sofern sie achtsam und treu (oder gläubig) sind und gute Werke tun; sodann, sofern sie sich achtsam und treu erweisen; sodann, sofern sie sich achtsam und wohltätig erweisen. Denn Allah liebt die Wohltäter. (5,93)

لَيْسَ عَلَى الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ جُنَاحٌ فِيمَا طَعِمُوا إِذَا مَا اتَّقَوْا وَآمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ ثُمَّ اتَّقَوْا وَآمَنُوا ثُمَّ اتَّقَوْا وَأَحْسَنُوا وَاللَّهُ يُحِبُّ الْمُحْسِنِينَ

Religion دِين ومِلّة

Das Wort مِلّة wird nur in Bezug auf einen bestimmten Propheten verwendet. Man sagt so zum Beispiel „مِلّة إبراهيم“. Es handelt sich also um die in ihrer Gesamtheit aufgefasste gemeinschaftliche Religion. Deshalb bezeichnet dieser Begriff im weiteren Sinne auch eine Gemeinschaft. Es scheint mir angemessen, ihn mit „Kult“ zu übersetzen, wie es eine Reihe von Übersetzern getan hat.

Was hingegen die Einzelnen betrifft, so sagt man zum Beispiel „دين نبيل“. Das Wort „دين“ wird also für die Religion in der Einzelheit eines jeden verwendet, sei diese tugendhaft oder nicht. Deshalb sagt man auch „فُلان حسن الدين“ (der und der ist von guter Religion).

Wenn der Koran hingegen von Der Religion spricht, verstanden als die einzige wahre Religion, dann handelt es sich um die aufrechte und unwandelbare Religion „قَيِّم“. Doch das bezieht sich dann auf den wesentlichen und zeitlosen Teil der Religion. Das ist die Bedeutung des Verses:

إِنَّ الدِّينَ عِندَ اللَّهِ الْإِسْلَامُ

Die Religion in den Augen Gottes ist der Islam. (3,19)

وَمَنْ أَحْسَنُ دِينًا مِمَّنْ أَسْلَمَ وَجْهَهُ لِلَّهِ وَهُوَ مُحْسِنٌ وَاتَّبَعَ مِلَّةَ إِبْرَاهِيمَ حَنِيفًا وَاتَّخَذَ اللَّهُ إِبْرَاهِيمَ خَلِيلًا

Wer also bekennt sich zu einer schöneren Religion als derjenige, der (friedlich und ausschließlich) sein Angesicht Gott überlässt, als Wohltäter handelt und dem Kult Abrahams folgt, eines reinen Gläubigen, den Gott zum Freund genommen hat? (4,125)

Seele und Geist روح ونَفْس

Die Wurzeln dieser beiden Wörter rufen den Atem hervor, sodass die meisten Kommentatoren der Ansicht sind, dass die نفس nur eine „Färbung“ oder eine „Verdunkelung“ des روح ist. Und es gibt eine ganze Kontroverse über die Frage: Ist der Geist eine Schöpfung oder nicht. Doch diese Fragen gehen weit über unser Anliegen hinaus, das ausschließlich sprachlich sein will.

Halten wir also fest, dass im Koran das Wort روح zunächst als ein göttliches Geheimnis dargestellt wird. In manchen Stellen wird es als Gott zugehörig dargestellt. Er verwendet nämlich den Ausdruck „Sein Geist“. An anderen Orten wird es mit Jesus oder dem Engel Gabriel verbunden.

Was das Wort نفس betrifft, so bezeichnet es in erster Linie „die Person“ oder „das Individuum“. Es kann sich um Gott selbst handeln. Es bezeichnet sodann die verschiedenen Zustände der „Seele“. Es wird dann mit Adjektiven verbunden.

وَيَسْأَلُونَكَ عَنِ الرُّوحِ قُلِ الرُّوحُ مِنْ أَمْرِ رَبِّي وَمَا أُوتِيتُمْ مِنَ الْعِلْمِ إِلَّا قَلِيلًا

Sie befragen dich über den Geist. Sag: „Der Geist geht vom Befehl meines Herrn aus. Und euch ist nur wenig Wissen gegeben worden.“ (17,85)

ثُمَّ سَوَّاهُ وَنَفَخَ فِيهِ مِنْ رُوحِهِ

Dann formte Er ihn harmonisch und hauchte ihm von Seinem Geist ein. (32,9)

تَعْلَمُ مَا فِي نَفْسِي وَلَا أَعْلَمُ مَا فِي نَفْسِكَ

Du weißt, was in meiner Person ist, und ich weiß nicht, was in Deiner Person ist. (5,116)

وَمَا أُبَرِّئُ نَفْسِي إِنَّ النَّفْسَ لَأَمَّارَةٌ بِالسُّوءِ إِلَّا مَا رَحِمَ رَبِّي

Ich suche jedoch nicht, mich von Schuld freizusprechen, denn die Seele gebietet heftig zum Bösen, außer [in] dem, worin mein Herr Barmherzigkeit erweist. (12,53)

Intellekt عَقْل

Die Wurzel dieses Begriffs ruft ebenfalls die „Bindungen“ und die „Fesseln“ hervor. Der عقل verweist somit anfänglich auf die rationale Intelligenz: die Fähigkeit, „Verbindungen“ zwischen den Dingen und den Begriffen herzustellen, oder auf das Vermögen, das uns daran hindert, schlecht zu handeln. Dennoch verleiht ihm der Koran oft eine weitere Bedeutung, um von der geistigen Intelligenz oder der bewussten Vernunft zu sprechen. Man kann darin in diesem Sinne die Fähigkeit sehen, Verbindungen des Geistigen herzustellen oder sich selbst mit dem Geistigen zu verbinden. Bemerken wir, dass diese Wurzel nur in der verbalen Form erscheint. (Siehe auch das Kapitel „nachdenken“ in der folgenden Einheit.)

كَانَ فَرِيقٌ مِنْهُمْ يَسْمَعُونَ كَلَامَ اللَّهِ ثُمَّ يُحَرِّفُونَهُ مِنْ بَعْدِ مَا عَقَلُوهُ وَهُمْ يَعْلَمُونَ

Ein Teil von ihnen hörte das Wort Gottes, verfälschte es dann aber wissentlich, nachdem sie es verstanden hatten. (2,75)

أَفَلَمْ يَسِيرُوا فِي الْأَرْضِ فَتَكُونَ لَهُمْ قُلُوبٌ يَعْقِلُونَ بِهَا أَوْ آذَانٌ يَسْمَعُونَ بِهَا فَإِنَّهَا لَا تَعْمَى الْأَبْصَارُ وَلَكِنْ تَعْمَى الْقُلُوبُ الَّتِي فِي الصُّدُورِ

Warum reisen sie nicht auf der Erde umher, sodass sie Herzen hätten, mit denen sie verständig urteilen, und Ohren, mit denen sie hören? Denn es sind gewiss nicht die Augen, die blind werden, sondern es sind die Herzen, die sich in den Brüsten befinden. (22,46)

Gute Taten صالِحات وحَسَنات

Diese beiden Begriffe haben einen sehr ähnlichen Gebrauch. Man kann dennoch bemerken, dass das Wort „حسنة“ im Koran am häufigsten im Singular verwendet wird (2 Mal im Plural). Es ist dem Wort „سيّئة“ entgegengesetzt. Seine Wurzel bedeutet „schön“, „gut“.

Was das Wort „صالحة“ betrifft, so wird es nur im Plural verwendet und im Allgemeinen dem Verb „عمِل“ vorangestellt. Seine Wurzel ruft eine Sache hervor, die „gesund“, „integer“, „in gutem Zustand“ ist. Es hat kein systematisches Gegenteil, aber es kann der Wurzel „ف س د“ (verdorben, beschädigt, ungesund) entgegengesetzt werden; oder der Wurzel „س ي ء“, wie beim Begriff „حسنة“.

مَنْ جَاءَ بِالْحَسَنَةِ فَلَهُ عَشْرُ أَمْثَالِهَا وَمَنْ جَاءَ بِالسَّيِّئَةِ فَلَا يُجْزَى إِلَّا مِثْلَهَا

Wer mit einer guten Tat kommt, erhält das Zehnfache ihres Gleichwerts, während derjenige, der mit einer schlechten Tat kommt, nur mit ihrem Gleichwert vergolten wird. (6,160)

إِنَّ الْحَسَنَاتِ يُذْهِبْنَ السَّيِّئَاتِ

Gewiss, die guten Taten vertreiben die schlechten. (11,114)

أَمْ نَجْعَلُ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ كَالْمُفْسِدِينَ فِي الْأَرْضِ أَمْ نَجْعَلُ الْمُتَّقِينَ كَالْفُجَّارِ

Sollen Wir diejenigen, die glauben und fromme Werke tun, wie diejenigen behandeln, die auf der Erde Verderben stiften? Oder sollen Wir die Achtsamen wie die Frevler behandeln? (38,28)

وَمَا يَسْتَوِي الْأَعْمَى وَالْبَصِيرُ وَالَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ وَلَا الْمُسِيءُ

Der Blinde und der Sehende sind nicht auf gleicher Stufe, ebenso wenig wie diejenigen, die glauben und gute Werke vollbringen, und diejenigen, die Böses tun. (40,58)

Schlechte Taten سَيِّئات

Dieser Begriff bezeichnet wörtlich die „schlechte“ Tat. Man findet seine Wurzel im koranischen Begriff سُوء, „das Böse“.

إِنْ تَجْتَنِبُوا كَبَائِرَ مَا تُنْهَوْنَ عَنْهُ نُكَفِّرْ عَنْكُمْ سَيِّئَاتِكُمْ وَنُدْخِلْكُمْ مُدْخَلًا كَرِيمًا

Wenn ihr die schwerwiegendsten [Taten] meidet, die euch verboten sind, werden Wir eure schlechten Taten tilgen und euch an einen ehrenvollen Ort einführen. (4,31)

Rechtleitung هُدى ورُشْد

Das Wort رُشْد verweist auf eine gesunde innere Veranlagung, die es dem Individuum ermöglicht, dem rechten Weg zu folgen.

Was das Wort هُدى betrifft, so verweist es auf die Rechtleitung im weiteren Sinne, mag diese von einem selbst oder von außen kommen.

فَإِنْ آنَسْتُمْ مِنْهُمْ رُشْدًا فَادْفَعُوا إِلَيْهِمْ أَمْوَالَهُمْ

Wenn ihr sie für fähig haltet, vernünftig zu handeln, übergebt ihnen die Güter, die ihnen gehören. (4,6)

لَعَلِّي آتِيكُمْ مِنْهَا بِقَبَسٍ أَوْ أَجِدُ عَلَى النَّارِ هُدًى

Vielleicht bringe ich euch einen Feuerbrand davon oder finde an diesem Feuer eine Rechtleitung? (20,10)

Weg

سُنّة

مِنْهاج

شِرْعة

سبيل

سِراط

طريق

طريق: Dieser Begriff bezeichnet einen Weg oder eine Straße in einer sehr weiten Bedeutung. Seine Wurzel „طرَق“ bedeutet schlagen (insbesondere an die Tür). Das Wort طريق käme also, manchen zufolge, von der Tatsache, dass man die Straße mit den Füßen tritt (oder schlägt).

صِراط: Für die einen ist dieses Wort das Äquivalent von طريق, doch manche präzisieren, dass es sich um einen gut ausgetretenen und leichten Weg handelt. Im Koran wird es stets in einem positiven Sinn verwendet. Seine Wurzel, س ر ط, bedeutet „schlucken“, und manche fügen hinzu, dass dieser Begriff ursprünglich von der Tatsache kommt, dass der Weg diejenigen „schluckt“, die ihn beschreiten. Es scheint mir dennoch, dass solche Annäherungen sehr gewagt sind und mitunter einer Neigung entspringen, die Entsprechung von Begriffen gleicher Wurzel zu erzwingen.

Achtung: Seine gebräuchlichste Schreibweise ist صِراط, doch manche Lesarten des Korans schreiben es auch سِراط, was der ursprünglichen Form des Wortes entspricht, gemäß seiner Wurzel. Die Schreibweise mit dem ص rührt daher, dass das س aufgrund der Nähe des ط emphatisiert wird.

سبيل: Häufig verwendet, um kleine Wege zu bezeichnen. Es wird auch gemeinhin im übertragenen Sinne in verschiedenen Ausdrücken verwendet. Es kann „ein Weg“, „eine Sache“, „ein Mittel“ oder eine „Weise“ bedeuten.

شِرْعة/ شَرِيعة: Die Wurzel شرَع ruft die Tatsache hervor, zu gehen oder sich auf den Weg zu machen, auf der Straße, die zur Wasserstelle führt, und es symbolisiert infolgedessen den Weg des Heils, denn es gibt kein Heil ohne Wasser. Da außerdem niemand auf Wasser verzichten kann, handelt es sich im weiteren Sinne um einen breiten und von allen beschrittenen Weg.

مِنْهاج: Hält man sich an die Bedeutung seiner Wurzel, so ruft dieses Wort einen gut ausgetretenen und klaren Weg hervor.

سُنّة: Dieses Wort kommt vom Wort „سَنّ“, das den leichten Lauf einer Sache bezeichnet, wie des Wassers. Es bezeichnet die „Lebensführung“ oder die „Art und Weise zu sein“ der Individuen. Es kann auch den „Werdegang“ bedeuten. Man sagt so „der سنّة folgen“, wie man im Französischen „den Schritten“ von jemandem folgen sagt. Im weiteren Sinne ist es die „Tradition“.

Auslegung تُفْسِير وتَأْوِيل

Der Koran verwendet diese beiden Begriffe, um von Auslegung zu sprechen. Um ihren Sinn wiederzugeben, ist das Französische zwischen mehreren Übersetzungen geteilt: „Kommentar“, „Auslegung“, „Exegese“, „Hermeneutik“.

Es ist ziemlich schwierig, sie zu unterscheiden, und es trifft zu, dass in manchen Stellen des Korans die beiden Begriffe gleichwertig erscheinen. Betrachten Sie:

وَلَا يَأْتُونَكَ بِمَثَلٍ إِلَّا جِئْنَاكَ بِالْحَقِّ وَأَحْسَنَ تَفْسِيرًا

„Sie kommen zu dir mit keinem Gleichnis, ohne dass Wir dir die Wahrheit und eine bessere Auslegung brächten.“ (25,33)

وَأَوْفُوا الْكَيْلَ إِذَا كِلْتُمْ وَزِنُوا بِالْقِسْطَاسِ الْمُسْتَقِيمِ ذَلِكَ خَيْرٌ وَأَحْسَنُ تَأْوِيلًا

Wenn ihr messt, füllt das Maß und wiegt mit der gerechten Waage. Das ist vorzuziehen und von besserer Auslegung (oder Folge). (35,17)

Etymologie

Sagen wir auf etymologischer Ebene zunächst, dass das Wort تفسير ursprünglich die „Auflösung des Schleiers“ bedeutet. Was das Wort تأويل betrifft, so ruft es eine „Rückführung auf den Ursprung“ oder auf den „ersten“ Sinn hervor (أوّل). Der تأويل ist die Rückkehr zur ursprünglichen Schrift: Es ist das Sehen dessen, was geschrieben steht, und somit dessen, was sich ereignen wird, oder das Wiederfinden des ursprünglichen Wortes Gottes, das heißt desjenigen, das nicht die grobe Form der Sprache angenommen hat. In manchen koranischen Stellen nimmt dieses Wort mitunter auch die Bedeutung von „Folge“, „Ausgang“ oder „Verwirklichung“ an, was an sich einen bemerkenswerten Unterschied darstellt.

Im Koran

Der erste Begriff wird im Koran ein einziges Mal erwähnt, in der weiter oben erwähnten Stelle.

Der zweite wird im Koran 17 Mal erwähnt. Er hat bald eindeutig die Bedeutung „Auslegung“, bald eindeutig die Bedeutung „Folge“. Andere Male scheinen beide Bedeutungen zu passen. Betrachten Sie:

قَالَ هَذَا فِرَاقُ بَيْنِي وَبَيْنِكَ سَأُنَبِّئُكَ بِتَأْوِيلِ مَا لَمْ تَسْتَطِعْ عَلَيْهِ صَبْرًا (78)

Der Diener sagte: „Hier ist es, wo wir uns trennen. Ich werde dir die Deutung der Dinge geben, die dich die Geduld haben verlieren lassen. (18,78)

أَمْ يَقُولُونَ افْتَرَاهُ قُلْ فَأْتُوا بِسُورَةٍ مِثْلِهِ وَادْعُوا مَنِ اسْتَطَعْتُمْ مِنْ دُونِ اللَّهِ إِنْ كُنْتُمْ صَادِقِينَ (38) بَلْ كَذَّبُوا بِمَا لَمْ يُحِيطُوا بِعِلْمِهِ وَلَمَّا يَأْتِهِمْ تَأْوِيلُهُ

Oder sie sagen: „Hat er (Muhammad) ihn erfunden?“ Sag: „So bringt eine ähnliche Sure wie diese hervor, und ruft zu eurer Hilfe, wen ihr könnt, außer Gott, wenn ihr wahrhaftig seid.“ Ganz im Gegenteil: Sie haben für Lüge erklärt, was sie mit ihrem Wissen nicht umfassen können und dessen Auslegung ihnen noch nicht zugekommen ist. (10,38-39)

وَدَخَلَ مَعَهُ السِّجْنَ فَتَيَانِ قَالَ أَحَدُهُمَا إِنِّي أَرَانِي أَعْصِرُ خَمْرًا وَقَالَ الْآخَرُ إِنِّي أَرَانِي أَحْمِلُ فَوْقَ رَأْسِي خُبْزًا تَأْكُلُ الطَّيْرُ مِنْهُ نَبِّئْنَا بِتَأْوِيلِهِ إِنَّا نَرَاكَ مِنَ الْمُحْسِنِينَ (36) قَالَ لَا يَأْتِيكُمَا طَعَامٌ تُرْزَقَانِهِ إِلَّا نَبَّأْتُكُمَا بِتَأْوِيلِهِ قَبْلَ أَنْ يَأْتِيَكُمَا

Zwei Burschen traten mit ihm ins Gefängnis ein. Einer von ihnen sagte: „Ich habe mich [im Traum] Wein keltern sehen…“ Und der andere sagte: „Und ich, ich habe mich auf meinem Kopf Brot tragen sehen, von dem die Vögel fraßen. Unterrichte uns über die Deutung (dieser Träume), wir sehen dich unter den Wohltätern.“

„Die euch zugeteilte Speise wird euch nicht erreichen“, sagte er, „ohne dass ich euch über ihre Deutung in Kenntnis gesetzt habe, also bevor sie euch aufgetischt wird. (12,36-37)

هُوَ الَّذِي أَنْزَلَ عَلَيْكَ الْكِتَابَ مِنْهُ آيَاتٌ مُحْكَمَاتٌ هُنَّ أُمُّ الْكِتَابِ وَأُخَرُ مُتَشَابِهَاتٌ فَأَمَّا الَّذِينَ فِي قُلُوبِهِمْ زَيْغٌ فَيَتَّبِعُونَ مَا تَشَابَهَ مِنْهُ ابْتِغَاءَ الْفِتْنَةِ وَابْتِغَاءَ تَأْوِيلِهِ وَمَا يَعْلَمُ تَأْوِيلَهُ إِلَّا اللَّهُ وَالرَّاسِخُونَ فِي الْعِلْمِ يَقُولُونَ آمَنَّا بِهِ كُلٌّ مِنْ عِنْدِ رَبِّنَا

Er ist es, der auf dich das Buch herabgesandt hat, [in dessen Innerem sich] eindeutige Verse [befinden], welche die Mutter des Buches sind, andere sind mehrdeutig. Was diejenigen betrifft, die in ihrem Herzen eine Abweichung haben, so folgen sie dem mehrdeutigen Teil davon, danach strebend, Verwirrung zu stiften und davon [eine] Auslegung [zu geben]. Und seine Auslegung kennt nur Gott. Und diejenigen, die im Wissen verwurzelt sind, sagen: „Wir glauben an Ihn, alles kommt von unserem Herrn!“ (3,7) Und seine Auslegung kennt nur Gott und diejenigen, die im Wissen verwurzelt sind, welche sagen: „Wir glauben an Ihn, alles kommt von unserem Herrn!“

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا أَطِيعُوا اللَّهَ وَأَطِيعُوا الرَّسُولَ وَأُولِي الْأَمْرِ مِنْكُمْ فَإِنْ تَنَازَعْتُمْ فِي شَيْءٍ فَرُدُّوهُ إِلَى اللَّهِ وَالرَّسُولِ إِنْ كُنْتُمْ تُؤْمِنُونَ بِاللَّهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ ذَلِكَ خَيْرٌ وَأَحْسَنُ تَأْوِيلًا (59)

O ihr Gläubigen! Gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten und denjenigen unter euch, die das Befehlsgewalt innehaben. Wenn ihr euch dann über irgendetwas streitet, verweist es an Gott und an den Gesandten, wenn ihr an Gott und an den Jüngsten Tag glaubt. Das wird besser sein und von besserer Auslegung (oder Folge). (4,59)

وَلَقَدْ جِئْنَاهُمْ بِكِتَابٍ فَصَّلْنَاهُ عَلَى عِلْمٍ هُدًى وَرَحْمَةً لِقَوْمٍ يُؤْمِنُونَ (52) هَلْ يَنْظُرُونَ إِلَّا تَأْوِيلَهُ يَوْمَ يَأْتِي تَأْوِيلُهُ يَقُولُ الَّذِينَ نَسُوهُ مِنْ قَبْلُ قَدْ جَاءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ

Wir haben ihnen gewiss ein Buch gebracht, das Wir mit Wissen ausführlich dargelegt haben, als Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Leute, die glauben. Erwarten sie einzig die Verwirklichung (Seiner Drohung und Seiner Verheißungen?). Am Tag, an dem seine Verwirklichung stattfindet, werden diejenigen, die es zuvor vergaßen, sagen: „Die Gesandten unseres Herrn sind mit der Wahrheit gekommen.“ (7,52-53)

Terminologische Bedeutung

In der islamischen Terminologie ist es ebenfalls sehr schwierig, diese beiden Begriffe zu unterscheiden.

Der Kommentator Abû Qâsim al-Nîsâbûrî (st. 1016) macht eine Bemerkung, die man als übertrieben beurteilen mag, die aber die Problematik gut zusammenfasst: „Es gibt in unserer Zeit vortreffliche Exegeten, die den Unterschied zwischen tafsîr und ta’wîl nicht zu sagen wüssten, wenn man sie fragte.“

Um sich also eine Vorstellung vom Gebrauch dieser Begriffe in einem Text zu machen, muss man im Allgemeinen die Definition kennen, die der Verfasser des betreffenden Textes von ihnen gibt.

Die erste Ansicht, vertreten insbesondere vom berühmten Gefährten Abû ‘Ubayda, ist, dass es keinen Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen gibt. Das war im Übrigen eine sehr verbreitete Ansicht bei den frühen Kommentatoren.

Laut al-Râghib al-Isfahânî, dem großen Sprachwissenschaftler: „Das Wort tafsîr ist allgemeiner als das Wort ta’wîl.“ Und er sagt zusammenfassend, dass der erste vor allem für das verwendet wird, was den Wortschatz betrifft, während der zweite für die Semantik der Sätze oder die allgemeine Auslegung verwendet wird, wie es bei der Traumdeutung der Fall ist.

Laut Al-Maturîdi wird das Wort tafsîr für die sicheren Auslegungen verwendet und das Wort ta’wîl für die unsicheren Auslegungen.

Andere sind der Ansicht, dass der tafsîr die Auslegung durch die textlichen Quellen betrifft, während der ta’wîl die Auslegung durch die Erkenntnisquellen (das heißt der Reflexion) betrifft.

Al-Tha‘labi ist der Ansicht, dass der erste den eigentlichen Sinn betrifft, während der zweite den impliziten oder übertragenen Sinn betrifft, den der Kontext erhellt. Zum Beispiel wird im Vers „Gott liegt im Hinterhalt“ das Wort „Hinterhalt“ nicht im eigentlichen Sinn verstanden und erfordert eine echte Auslegung (ta’wîl).

Eher zur letzten Ansicht hin haben sich die beiden Begriffe im gegenwärtigen Gebrauch entwickelt.

Diese Ansicht kann im Übrigen mit zwei voll und ganz koranischen Dualitäten in Verbindung gebracht werden: derjenigen von Äußerem (ẓâhir) und Innerem (bâṭin) einerseits und derjenigen von Eindeutigem (muḥkam) und Mehrdeutigem (mutashâbih) andererseits.

Theologische Bedeutung

Das Wort ta’wîl ist überdies mit einer theologischen Bedeutung aufgeladen, die auf diese exegetische Bedeutung abfärbt. In der Tat bedeutet, was die göttlichen Attribute betrifft, den ta’wîl auszuüben, den göttlichen Attributen einen metaphorischen Sinn zu geben oder ihnen einfach einen sekundären Sinn zu verleihen. Das heißt zum Beispiel, die Liebe Gottes durch Seine „Güte“ auszulegen.

Schöpfung

بدَع ــَـ

ذرَأ ــَـ

فطَر ــُـ

برَأ ــَـ

أَنْشَأَ

خَلَقَ ــُـ

خَلَقَ: Der Koran verwendet diese Wurzel, um die Schöpfung aus bereits existierenden Elementen zu bezeichnen. Ich würde hier den Begriff „formen“ vorschlagen, um das Verb zu übersetzen.

هُوَ الَّذِي خَلَقَكُم مِّن طِينٍ

Er ist es, der euch aus Lehm geformt hat. (6,2)

Bemerken wir, dass dieses Verb nicht notwendigerweise mit Gott verbunden ist. Die nachstehende koranische Stelle lässt nämlich verstehen, dass es für andere als Ihn gebräuchlich ist, auch wenn es sich dann nicht um eine Schöpfung gleicher Natur handelt.

فَتَبَارَكَ اللَّهُ أَحْسَنُ الْخَالِقِينَ

Die Wurzel dieses Begriffs umfasst die Idee des Maßes. Man sagt so „خلق الأديم“ (das Leder messen), wenn man es misst, bevor man es zuschneidet. Das koranische Wort gleicher Wurzel „خَلاق“ (Los) trägt denselben Sinn.

أَنْشَأَ: Die Wurzel dieses Wortes ruft die Erhebung und das Wachstum hervor. Man verwendet gemeinhin das Verb „نَشَأَ“, der Form 1, im Sinne von „erhaben sein“. Die Form 4 „أَنْشَأَ“ bedeutet also ursprünglich „wachsen lassen“ oder „erheben“. Ich würde hier den Begriff „wachsen lassen“ vorschlagen, um das Verb zu übersetzen.

فَأَنْشَأْنَا لَكُمْ بِهِ جَنَّاتٍ مِنْ نَخِيلٍ وَأَعْنَابٍ

Durch es haben Wir euch Gärten von Palmen und Reben wachsen lassen. (23,19)

Es nimmt im weiteren Sinne die Bedeutung von „erschaffen“ an.

ثُمَّ خَلَقْنَا النُّطْفَةَ عَلَقَةً فَخَلَقْنَا الْعَلَقَةَ مُضْغَةً فَخَلَقْنَا الْمُضْغَةَ عِظَامًا فَكَسَوْنَا الْعِظَامَ لَحْمًا ثُمَّ أَنْشَأْنَاهُ خَلْقًا آخَرَ

Dann haben Wir aus diesem Tropfen einen Blutklumpen geformt; Wir haben sodann aus dem Klumpen eine breiige Masse geformt; dann haben Wir aus dieser Masse Knochen geformt; Wir haben darauf die Knochen mit Fleisch bekleidet. Danach haben Wir den Menschen in einer anderen Schöpfung wachsen lassen. (23,14)

Es wird auch im Sinne von „beginnen, etwas zu tun“ verwendet.

بَرَأَ: Es ist allgemein anerkannt, dass dieser Begriff ein Synonym des Verbs „خلق“ ist, und die Nuancen, die manche Autoren zwischen den beiden anführen, sind sehr uneinheitlich, ja sogar widersprüchlich. Ich werde hier die Elemente aufgreifen, die mir am sachdienlichsten erscheinen.

Die Wurzel dieses Verbs ruft die Trennung, den Bruch oder den Schnitt hervor. Das Wort „بَراءة“ (Unschuld) kann so verstanden werden als die Tatsache, von jeder Verbindung mit der Handlung, auf die sich die Anklage bezieht, „abgeschnitten“ zu sein; und das Verb „برِأ ــَـ“ (geheilt sein) kann verstanden werden als „mit der Krankheit brechen“. Andere sagen, dass der göttliche Name „بارِئ“ denjenigen bezeichnet, der eine Sache aus einer anderen zieht, daher die Idee des Bruchs oder der Trennung. In der Sprache wird das Verb „برَأ“ im Allgemeinen auf die Lebewesen angewandt. Was sich vielleicht durch die Tatsache erklärt, dass die Lebenden aus den Lebenden hervorgehen. Das Wort „بَرِيّة“ ruft eben die „Geschöpfe“ hervor. Man sagt, dass seine Wurzel ursprünglich ب ر ء ist, doch dass die Hamza in diesem Wort aus phonetischen Gründen der „Erleichterung“ verschwunden ist.

Der Name بارِئ kann also verstanden werden als derjenige, der die Dinge eines aus dem anderen zieht, oder Derjenige, der die voneinander verschiedenen Wesen erschafft. Ich würde hier den Begriff „erzeugen“ vorschlagen, um das Verb zu übersetzen.

مَا أَصَابَ مِنْ مُصِيبَةٍ فِي الْأَرْضِ وَلَا فِي أَنْفُسِكُمْ إِلَّا فِي كِتَابٍ مِنْ قَبْلِ أَنْ نَبْرَأَهَا إِنَّ ذَلِكَ عَلَى اللَّهِ يَسِيرٌ

Kein Unglück widerfährt auf der Erde oder in euch selbst, ohne in einem Buch verzeichnet zu sein, bevor Wir es erzeugen. Das ist für Gott wahrlich eine leichte Sache! (57,22)

فطَر ــُـ: Die Wurzel dieses Verbs bedeutet „spalten“. Man verwendet es, um zum Beispiel zu sagen, das Holz spalten. Man sagt auch „فطر النَبات“, wenn die Pflanze die Erde spaltet und hervorkommt. Das koranische Wort فُطُور ruft auch ausdrücklich „die Spalten“ oder „die Ritzen“ hervor.

Man kann also sagen, dass der göttliche Name „فاطِر“ der Schöpfer ist, der das Lebende hervorbrechen lässt oder der eine Spalte erzeugt, aus der die Schöpfung hervorbricht. Was ihn symbolisch zu einem ausgesprochen männlichen Namen macht. Manche stellen ihn im Übrigen zu der indoeuropäischen Wurzel, die man im Wort „pader“ im Persischen oder im Wort „father“ im Englischen wiederfindet. Doch ich habe nichts über diese mögliche entfernte Verbindung gefunden. Es trifft zu, dass die mit der Familie verbundenen Begriffe zu denjenigen gehören, die sich in den Sprachen am langsamsten entwickeln. Doch dieser Punkt würde eine eigene Untersuchung verdienen. Ich würde hier den Begriff „hervorbrechen lassen“ vorschlagen, um das Verb zu übersetzen.

إِنِّي وَجَّهْتُ وَجْهِيَ لِلَّذِي فَطَرَ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ حَنِيفًا وَمَا أَنَا مِنَ الْمُشْرِكِينَ

Ich wende mein Angesicht, als reiner Gläubiger, zu Demjenigen, der die Himmel und die Erde hervorbrechen ließ, und ich gehöre nicht zu den Beigesellern.“ (6,79)

Diese Wurzel ergibt ebenfalls das Wort فِطْرة, das man gemeinhin mit der „ursprünglichen Natur“ verbindet.

فَأَقِمْ وَجْهَكَ لِلدِّينِ حَنِيفًا فِطْرَتَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ ذَلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ

Richte dein Angesicht der Religion gegenüber auf, als reiner Gläubiger, gemäß der Natur, mit der Gott die Menschen ausgestattet hat, als Er sie hervorbrechen ließ. Die Schöpfung Gottes lässt keine Veränderung zu. Das ist die unwandelbare Religion, doch die meisten Menschen wissen es nicht. (30,30)

ذرَأ ــَـ: Die Wurzel dieses Verbs (das in den göttlichen Namen nicht verwendet wird) ruft die Erscheinung hervor. Sie ruft auch die Tatsache hervor, zu „verbreiten“ oder zu „zerstreuen“. Das Verb „ذرَأ“ bedeutet so „erschaffen“ mit der Nuance, „(die Geschöpfe) sichtbar zu machen“ oder „sie zu vervielfältigen und zu verbreiten“. Ich würde hier den Begriff „kundmachen“ vorschlagen, um es zu übersetzen.

قُلْ هُوَ الَّذِي ذَرَأَكُمْ فِي الْأَرْضِ وَإِلَيْهِ تُحْشَرُونَ

Sag: „Er ist es, der euch auf der Erde kundgemacht hat und zu Dem ihr versammelt werden werdet.“ (67,24)

بدَع ــَـ: Die Wurzel dieses Verbs ruft die Neuerung hervor, wie es deutlich im Wort „بِدْعة“ erscheint. Es handelt sich also um die Schöpfung ohne Vorbild oder um die „Neuerung“. Der göttliche Name „بديع“ bedeutet also der „neuernde Schöpfer“ oder „der Neuerer“ oder auch „der Gestalter“. Ich würde hier den Begriff „gestalten“ vorschlagen, um das Verb zu übersetzen, und „Gestalter“ für den Namen.

بَدِيعُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ أَنَّى يَكُونُ لَهُ وَلَدٌ وَلَمْ تَكُنْ لَهُ صَاحِبَةٌ وَخَلَقَ كُلَّ شَيْءٍ وَهُوَ بِكُلِّ شَيْءٍ عَلِيمٌ

Gestalter der Himmel und der Erde, wie sollte Er ein Kind haben, wo Er doch keine Gefährtin hat, wo Er doch alle Dinge erschaffen hat und alle Dinge kennt? (6,101)

Die Vergebung

رأَف ــَـ

تاب/ يَتُوب

صفَح ــَـ

عَفا/ يَعْفو

غفَر ــِـ

رحِم ــَـ

رحِم ــَـ: Die Wurzel dieses Verbs ist auch diejenige des Wortes „رَحِم“, das „die Gebärmutter“ bedeutet. Das verleiht ihm eine sehr ausgeprägte mütterliche Konnotation. Es handelt sich darum, mit Barmherzigkeit zu „umhüllen“. Was im Übrigen auf metaphorische Weise im koranischen Text erscheint:

وَرَحْمَتِي وَسِعَتْ كُلَّ شَيْءٍ

Es trifft sich, dass die beiden göttlichen Namen „رحمان“ und „رحيم“ aufgrund ihres häufigen Gebrauchs einen vorrangigen Platz im Koran einnehmen, auch wenn die Kommentatoren über die Frage der „بسملة“ am Anfang der Suren geteilter Meinung sind: Gehört sie zum Koran oder nicht? (Eine Frage, die sich hinsichtlich der بسملة, die im Text der Sure „Die Ameise“ vorhanden ist, nicht stellt.) Sodann erscheinen diese beiden göttlichen Namen an zahlreichen anderen Orten. Der Erste wird in der berühmten Stelle auf dieselbe Ebene gestellt wie der Name „الله“:

قُلِ ادْعُوا اللَّهَ أَوِ ادْعُوا الرَّحْمَنَ أَيًّا مَا تَدْعُوا فَلَهُ الْأَسْمَاءُ الْحُسْنَى

Hinsichtlich der Schöpfung ist es ebenfalls dieser Name, den man in der folgenden Stelle findet:

تَنْزِيلًا مِمَّنْ خَلَقَ الْأَرْضَ وَالسَّمَاوَاتِ الْعُلَى (4) الرَّحْمَنُ عَلَى الْعَرْشِ اسْتَوَى (5)

Offensichtlich muss, damit die Schöpfung fortbesteht, der universellen Unvollkommenheit der erschaffenen Wesen eine absolute und ebenso universelle Nachsicht des göttlichen Seins abhelfen, das sie fortdauern lässt. Was den folgenden Vers erhellt:

وَلَوْ يُؤَاخِذُ اللَّهُ النَّاسَ بِمَا كَسَبُوا مَا تَرَكَ عَلَى ظَهْرِهَا مِنْ دَابَّةٍ

Wenn Gott den Menschen das nachtrüge, was sie begehen, würde Er nicht ein einziges der sich auf der Oberfläche [der Erde] bewegenden Wesen verschonen. (35,45)

غفَر ــِـ لِـ: Dieses Verb bedeutet auch „verhüllen“, „verbergen“ oder „bedecken“. Man sagt zum Beispiel „غفَرالشَيْب بالخِضاب“, „(die weißen Haare (und das weiße Haupthaar) mit Färbemittel (aus Henna) verbergen)“. Es handelt sich also im weiteren Sinne um die Handlung, „die Fehler zu bedecken“ oder sie zu „verbergen“.

قُلْ لِلَّذِينَ كَفَرُوا إِنْ يَنْتَهُوا يُغْفَرْ لَهُمْ مَا قَدْ سَلَفَ

Sag denen, die leugnen, dass ihnen, wenn sie aufhören, das stillschweigend übergangen wird, was vergangen ist. (8,38)

عفا/ يعفو: Im konkretesten Sinne bedeutet dieses Verb „tilgen“, „sich verwischen“ oder „verborgen sein“. Man sagt zum Beispiel „عفا الأثر“ (die Spur ist getilgt). Im weiteren Sinne bedeutet es „einen Fehler tilgen“, wie man sagt „die Tafel löschen“ oder „einen Strich darunter ziehen“.

Manche Kommentatoren präzisieren, dass der عَفْو nach der Bestrafung oder davor eintreten kann, während der غُفْران von vornherein jede Bestrafung ausschließt.

Seine Wurzel ruft auch die Idee des „Überschüssigen“ oder des „Überflüssigen“ hervor, wie in der folgenden koranischen Stelle:

وَيَسْأَلُونَكَ مَاذَا يُنْفِقُونَ قُلِ الْعَفْوَ

Sie fragen dich, was sie ausgeben sollen. Sag ihnen: „Das Überschüssige.“ (2,219)

Diese beiden Bedeutungen treffen sich in der Idee, aus Großmut Gnade zu gewähren, indem man die Dinge als unwichtig betrachtet. Das ist es, was der folgende Vers hervorruft:

وَإِنْ طَلَّقْتُمُوهُنَّ مِنْ قَبْلِ أَنْ تَمَسُّوهُنَّ وَقَدْ فَرَضْتُمْ لَهُنَّ فَرِيضَةً فَنِصْفُ مَا فَرَضْتُمْ إِلَّا أَنْ يَعْفُونَ أَوْ يَعْفُوَ الَّذِي بِيَدِهِ عُقْدَةُ النِّكَاحِ

Wenn ihr sie verstoßt, bevor ihr sie berührt habt, nach der Festsetzung der Brautgabe, dann [steht ihr] die Hälfte derselben [zu], es sei denn, sie verzichtet euch zugunsten darauf (oder tritt großmütig davon zurück), sie oder derjenige, der sie bei der Eheschließung vertreten hat. (2,237)

Schließlich kann das Verb عفا „überschüssig werden“ und somit „sich vermehren und gedeihen“ bedeuten. Es ist diese letzte Bedeutung, die man im folgenden Vers findet:

ثُمَّ بَدَّلْنَا مَكَانَ السَّيِّئَةِ الْحَسَنَةَ حَتَّى عَفَوْا وَقَالُوا قَدْ مَسَّ آبَاءَنَا الضَّرَّاءُ وَالسَّرَّاءُ

Dann ersetzten Wir das Böse durch das Gute, bis sie gedeihend (oder zahlreich) wurden und sagten: „Unsere Väter sind bereits von Elend und Wohlstand getroffen worden.“ (7,95)

Es ist im Übrigen dieser Begriff des „Überschüssigen“, der erklärt, warum das Wort „عَفْوًا“ in der Umgangssprache „Verzeihung!“ oder „bitte“ bedeuten kann, denn es handelt sich im ersten Fall darum, über das hinwegzugehen, was nicht viel zählt; und im zweiten Fall darum, zuzustimmen, etwas zu tun, indem man aus Großmut bedenkt, dass es eine Kleinigkeit ist.

صفَح ــَـ: Die Wurzel dieses Verbs ruft die flache Seite oder die Seite einer Sache hervor. Das Wort صَفْح bezeichnet so die „Wange“ oder die „Seite“ eines Individuums. Es bezeichnet auch das „Blatt“, die „Seite“ oder die „Flachseite“ des Schwertes.

Der Ausdruck „ونظر إِليه بصَفْحِ وجهه“ bedeutet eigentlich „zur Seite des Gesichts blicken“. Man kann so im Ursprung des auf dieser Wurzel gebildeten Verbs die Tatsache sehen, den Blick von einer Sache abzuwenden und ihr also „die Wange (oder die Flanke) zuzukehren“. Im weiteren Sinne bedeutet es „darüber hinweggehen“.

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِنَّ مِنْ أَزْوَاجِكُمْ وَأَوْلَادِكُمْ عَدُوًّا لَكُمْ فَاحْذَرُوهُمْ وَإِنْ تَعْفُوا وَتَصْفَحُوا وَتَغْفِرُوا فَإِنَّ اللَّهَ غَفُورٌ رَحِيمٌ

O ihr Gläubigen! Eure Ehefrauen und eure Kinder sind euch Feinde! Nehmt euch in Acht! Wenn ihr [die Angelegenheit] auslöscht, wenn ihr darüber hinweggeht und wenn ihr vergebt, so wisst, dass Gott derjenige ist, der vergibt und der barmherzig ist. (64,14)

Im Koran findet man auch den Ausdruck „ضرَب صَفْحًا“ im Sinne von „darauf verzichten, etwas zu tun“ oder trivialer „es fallen lassen“.

أَفَنَضْرِبُ عَنْكُمُ الذِّكْرَ صَفْحًا أَنْ كُنْتُمْ قَوْمًا مُسْرِفِينَ

Sollen Wir darauf verzichten, euch die Ermahnung zukommen zu lassen unter dem Vorwand, dass ihr ein maßloses Volk seid? (43,5)

تاب/ يَتوب: Dieses Verb bedeutet zunächst „zurückkehren“, was es „ثاب“ und „آب“ annähert. Es handelt sich also ursprünglich darum, zur guten Lebensführung, zur Vernunft usw. zurückzukehren. Verwendet mit „إلى“, bedeutet es also bereuen; und verwendet mit „على“, bedeutet es vergeben. Diese beiden Bedeutungen sind im nachstehenden Vers vereint:

وَظَنُّوا أَن لَّا مَلْجَأَ مِنَ اللَّهِ إِلَّا إِلَيْهِ ثُمَّ تَابَ عَلَيْهِمْ لِيَتُوبُوا إِنَّ اللَّهَ هُوَ التَّوَّابُ الرَّحِيمُ

Sie dachten, dass es keine Zuflucht vor Gott gebe, außer bei Ihm selbst. Gott kehrte daraufhin zu ihnen zurück, damit sie zu Ihm zurückkehren. Gott ist Derjenige, der jede Reue annimmt, der Gnädige. (9,118)

رأَف ــَـ: Dieses Verb bedeutet Mitgefühl für jemanden haben, insbesondere für einen Fehlbaren, wie es in der folgenden Stelle der Fall ist:

وَلاَ تَأْخُذْكُمْ بِهِمَا رَأْفَةٌ فِي دِينِ اللهِ

Lasst euch nicht von Mitgefühl ihnen gegenüber in der Religion Gottes ergreifen. (24,2)